Klatsch, klatsch: 15 Jahre Splitter-Verlag

Es ist das Jahr der Verlagsjubiläen: Avant, Reprodukt, Jaja und der Splitter-Verlag aus Bielefeld haben Grund zum Feiern. 15 Jahre ist es jetzt schon wieder her, dass der von Horst Gotta, Delia Wüllner-Schulz und Dirk Schulz gegründete Verlag uns erstmals seine Perlen präsentierte. In so manchem Sammlerregal dürften die schmucken Hardcoverbände mittlerweile zum Standard gehören. Und weil schon so viele Torten gegessen und so viele Kerzen ausgepustet wurden, möchte der Splitter-Verlag Euch jetzt beschenken. Wie? Das könnt ihr am Ende des Jubiläumsinterviews lesen. Viel Erfolg!

Seit 15 Jahren ist das Splitter-Schiff nunmehr unterwegs. ©Splitter-Verlag 2021
(Alex Jakubowski) Lieber Horst, ganz ehrlich – womit habt Ihr bei der Neugründung des Verlags vor 15 Jahren gerechnet? Worauf habt Ihr gehofft?

(Horst Gotta) Wo Splitter letztendlich landen würde war Teil des Abenteuers und nicht wirklich vordefiniert. Aber es gab – und das war uns viel wichtiger – für alles einen Mindestanspruch. Wir wollten von Anfang an sehr professionell auftreten. Das betrifft die Machart der Bücher im Aufbau und in der redaktionellen Bearbeitung ebenso wie die geschäftliche Zusammenarbeit beim Lizenzeinkauf. Aber auch auf der Seite des Verkaufs mit Blick auf den Handel und natürlich zum Endkunden. Hier waren (und sind) die Verbindlichkeit und das partnerschaftliche Auftreten ganz oben positioniert. Daraus folgte auch sofort, dass wir uns mit einem professionellen Fachvertrieb zusammensetzten. Das wurde Peter Poludas Medienservice und von Anfang an wurde auch dort professionell gehandelt. Wir wollten uns hier also mit den etablierten, großen Verlagen messen.

Das gleiche galt und gilt ebenso für die Auswahl der Autoren und Zeichner. Deren hochwertigen Inhalte sollten ebenso hochwertig und zuverlässig produziert werden. Und es gab den Wunsch, für all das ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis anzustreben. Wäre der Verlag klein geblieben, hätte das nichts an dessen Existenz geändert. Da wir zwei funktionierende graphische Studios am Laufen hatten und der finanzielle Erfolg somit nicht zwingend war. Er wurde aber groß, und der Rest ist Geschichte.

Einer der Chefs: Horst Gotta. ©Splitter-Verlag 2021
Die monatliche Schlagzahl Eurer Veröffentlichungen ist beachtlich. Könnt Ihr mal Eure Programmauswahl beschreiben? Worauf legt ihr inhaltlich Wert?

Wir sind jetzt aktuell bei 20 neuen Titeln pro Monat und im Schnitt acht Nachauflagen. Das variiert aus eher technischen Gründen etwas – aber 25 bis 30 Bücher sind die jeweils passende monatliche Anzahl. Das Programm an sich hat sich ungefähr alle zwei Jahre um eine feste Thematik erweitert und diese bespielen wir monatlich fix. Man kann das an den Spalten auf der aufklappbaren Übersichtsseite des Halbjahreskatalogs jeweils gut erkennen. Jede Spalte bespielt ein Thema und wer sich darauf konzentriert bekommt das – in unseren Augen – passende Angebot.

Im Kopf von Sherlock Holmes – Liebling von Dirk Schulz. ©Splitter-Verlag 2021
Eure Bücher überzeugen auch durch ein hohes Maß an handwerklicher Qualität, Hardcover, einheitliches Layout etc. Was hat den Ausschlag gegeben für das Design eurer Bücher, das sich ja in den vergangenen 15 Jahren nicht verändert hat?

Erfunden haben wir diese Idee nicht. Es gab Vorbilder. Am ehesten passen wir in der Erscheinung zum französischen Soleil-Verlag. Dessen Konzept des kleinen Rückenbildes haben wir direkt übernommen. Wir haben anfangs vorrangig Titel aus diesem Verlagshaus gekauft. 

Dass letztendlich alles wie aus einem Guss wirkt, liegt auch daran, dass wir den Buchaufbau komplett selbst machen. Da gibt es dann nicht viel zu erklären. Die Prozesse und Herangehensweisen spielen alles auf ein Level ein. Viele andere Verlage lagern stattdessen die eigentliche Arbeit an Layout, Grundaufbau und zum Beispiel auch das Lettering aus – nicht selten gehen sie dafür sogar ins Ausland. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das nicht tun werden.

 

Die Mœbius-Collection – ein Highlight im Programm. ©Splitter-Verlag 2021
Im Moment legt Ihr das Werk von Mœbius neu auf. Wie gelingt es Euch, immer wieder einen Mehrwert zu schaffen? Gerade Mœbius‘ Werk liegt ja schon in zahlreichen Ausgaben vor.

Ich glaube, dass viele alte Klassiker ein Grundproblem haben: Bei sehr vielen Lesern wurden diese Titel immer sehr schnell und aktiv gekauft. Das führte häufig dazu, dass die Spitzentitel der 1980er und 1990er Jahre heute in vielen Regalen sehr uneinheitlich in der jeweiligen Erstveröffentlichungsform stehen. Mit unseren Neuausgaben bieten wir jetzt das Gesamtwerk von Mœbius komplett und einheitlich an. Gleiches gilt für unsere großen Gesamtausgaben von Storm, Dan Cooper oder Rick Master. Die Bücher sind erst jetzt alle zeitgleich verfügbar. Es hat also jeweils bis zu 50 Jahre gedauert, um diesen Zustand zu erreichen.

Bei Mœbius selbst sind wir noch in einem laufenden Prozess und wir versuchen, alle verfügbaren Lizenzen in diese Gesamtausgabe zu integrieren. Der aktuelle Mehrwert besteht in der einheitlichen Aufmachung und den neu integrierten Interviews und Artikeln, die nach Mœbius‘ Ableben entstanden sind. Wer weiß, was die Post-Mœbius-Ära noch bringt? Wir versuchen alles Material zu bekommen, das noch nicht auf deutsch erschienen ist. Das ist durchaus schwierig, weil der Künstler sich irgendwann von seinen Mutterhäusern gelöst und vieles selbst publiziert hat.

Auch Storm gehört zu den verlegten Klassikern, inklusive der neuen Alben. ©Splitter-Verlag 2021
Ihr kauft nicht nur Lizenzen aus dem Ausland, sondern gebt auch deutschen Zeichner*innen und Newcomer*innen eine Chance. Was sollte man/frau mitbringen, um bei Euch unter zu kommen?

Neue Künstler, die ihr Erstlingswerk bei Splitter haben, genießen den Vorteil, gleich in Erscheinung und Qualität unserem hohen Standard zu entsprechen. Ich kann mich gut an die 1970er und 1980er Jahre erinnern. Da war der Weg vorgezeichnet – vom Kopierheftchen über die Schwarzweiss-Ausgabe und erst sehr viel später zum vollwertigen Buch.

Wir haben mehr Eigenproduktionen in Arbeit als jemals zuvor. Das macht einen Teil unserer Ideologie aus. Splitter ist auch als Verlag von Künstlern für Künstler angetreten. Wo es geht, versuchen wir dieser Rolle gerecht zu werden. Was sollte jemand dafür nun einbringen? Am wichtigsten ist, dass der Comic zu unserem Programm passt.

Da Newcomer in der Regel keinen hohen Bekanntheitsgrad mitbringen, sollten sie schon auf recht hohem Niveau texten und zeichnen können. Wir befeuern einen möglichen Erfolg mit vielen Kontakten und dem Kauf von Lizenzen aus dem Bereich der Belletristik und versuchen so, den spezifischen Schwung der Romanwelt mit rüber zu holen. Dabei spielt es uns in die Karten, dass sehr viele gute und bekannte einheimische Autoren gar nicht abgeneigt sind, ihre Ideen in Comic-Form umzusetzen.

Ingo Römling – einer der deutschen Zeichner, der seine verlegerische Heimat bei Splitter gefunden hat. Er ist übrigens Stammgast bei der Comic-Denkblase. https://comic-denkblase.de/die-chroniken-des-universums-neuer-comic-von-ingo-roemling
Was war Euer größter Erfolg? Wovon hattet Ihr Euch mehr versprochen?

Große Erfolge sind wie die Bergspitzen in einem breit aufgestellten Gebirgszug. Warum sie im Einzelnen super funktionieren, ist manchmal sehr einfach erklärt – manchmal bleibt das aber auch komplett im Nebel. Sehr einfach war das etwa bei unserer Trump-Dramödie. Es war uns klar, dass wir hier einen Titel ergattern konnten, der für die Medien interessant war. Dieser Erfolg war aus unserer Sicht programmiert. „Leider“ hat Trump die Wiederwahl verloren. Wir haben das sofort an den schwindenden Absatzzahlen gemerkt. Das ist in diesem Zusammenhang aber definitiv das kleinere Übel.

Natürlich sind die aktuellen Medientitel – wie unsere beiden Dune-Serien – bisher sehr erfolgreich und werden wohl auch zukünftig gut performen. Ganz aktuell schauen wir auch gespannt auf unsere bisher höchste Startauflage in Bookform – Der Augensammler von Sebastian Fitzek und Frank Schmolke.

Wo haben wir uns mehr versprochen? Nun, die Felder, die wir regelmäßig beackern, die aber schwierig in höheren Auflagen umzusetzen sind, gehören überwiegend zum Segment des Funny- und Jugendcomics. Wo es geht, wollen wir uns auch am Aufbau einer jüngeren Leserschaft beteiligen. In unseren Augen haben wir auch schon sehr viel dafür getan.

Auch die jüngere Leserschaft soll angesprochen werden. ©Splitter-Verlag 2021
Was sind die Lieblingscomics der Redaktion?

Horst: Es war einmal in Frankreich – die aktuelle Jubiläumsausgabe! Eine laaaaange epische Erzählung über ein ganzes Leben hinweg. Krieg, Intrigen, Widerstand, Macht und Ohnmacht… alles, was es braucht, um tief gefesselt zu werden. Top gezeichnet, top erzählt und mit einem extralangen Anhang voller Illustrationen.

Dirk: Im Kopf von Sherlock Holmes, weil es ein geniales Konzept ist und weil ich mich damit im Aufbau und der Retusche intensiver beschäftigt habe, als mit vielen anderen Titeln. Das hat sich gelohnt. Demnächst aus demselben Grund dann Der Augensammler.

Aylin: Snow, Glass, Apples, der war einfach schön (und gruselig).

Malena: Gullivers Reisen, der ist so schön, dass ich mir mit den Retuschen besonders viel Mühe gegeben habe.

Martin: Rapport W, weil er eindrucksvoll recherchiert ist.

Sven: Contrapaso, der ist wirklich großartig.

Stephan: Liberty Bessie, der war top!

Max: Shangri-La, ein visuell beeindruckender aber ungewöhnlicher SF, der so ist, wie SF sein sollte.

Das Geburtstagsgeschenk für unsere Leser. Danke Splitter-Verlag! ©Splitter-Verlag 2021

Gewinnspiel

Zur Feier des Jubiläums verlosen wir gemeinsam mit dem Splitter-Verlag drei mal den ersten Band der neuen Mœbius-Collection. Wer einen Band gewinnen möchte, schreibt einfach den Lieblingscomic von Horst in unsere Kommentare (und wenn Ihr sonst noch was loswerden möchtet, könnt Ihr das dort natürlich auch tun). Viel Glück bei der Verlosung!

Vielen Dank an den Splitter-Verlag und viel Erfolg für die kommenden Jahre!

Wir schließen die Teilnahme am Gewinnspiel heute Abend, also am 07.10.2021 um 20 Uhr!

Ganz herzlichen Dank an die vielen Comicfans, die am Gewinnspiel teilgenommen haben. Das Gewinnspiel ist hiermit beendet.

Die Gewinner*innen sind bereits benachrichtigt!

Viel Spass mit dem Mœbius-Band!

Hier gehts direkt zum Verlag: https://www.splitter-verlag.de/

Der Lieblingscomic von Horst Gotta. ©Splitter-Verlag 2021

82 Kommentare

  1. Was sagte Horst? Ach ja, sein Lieblingscomic ist von Fabien Nury und Sylvain Vallee und heißt:
    „ES WAR EINMAL IN FRANKREICH“.
    Ist nicht unbedingt mein Favorit.
    Das wäre Monsieur Mardi-Gras – Unter Knochen.
    Das war der Hammer!
    Bin aber auch ein großer Fan von Moebius (Moebius Opus steht ganz präsent in meinem Schrank und die Moebius Ausstellung im Max-Ernst-Museum war auch sehr beeindruckend).
    Aktuelle Serien Highlights für mich ist die Black Hammer- sowie die Gideon Falls Reihe.
    Sehr gespannt bin ich auf „Im Kopf von Sherlock Holmes“ (liegt schon vor und wird in den nächsten Tagen wahrscheinlich verschlungen) und „Das verlorene Paradies Gesamtausgabe“.
    Ich bin sowieso immer glücklich, wenn der Splitter Verlag Gesamtausgaben raushaut, denn die sind qualitativ zur Zeit die Besten auf dem Markt. Naja, ausnahmen bestätigen die Regel, siehe die Deluxe Edition von Doom Patrol von Grant Morrison.
    So, genug geschwafelt!!
    Einen Guten wünsche ich!!!

  2. Hallo, die Moebius Comics habe ich schon als Junge verspeisst, allerdings in der Bücherei, ich habe früher zuwenig Taschengeld gehabt um die mir zu kaufen ! Tolle Comics !

  3. Es war einmal in Frankreich ! hab das Gewinnspiel wieder nicht verstanden. Voll verpeilt. Ich dachte, mein Gotte die haben alle den gleichen Lieblingscomic !

  4. Danke für das interessante Interview. Ich wundere/freue mich übrigens immer noch, wie der Verlag es schafft monatlich so viele Titel unter die Leute zu bringen. 😉 Antwort zum Gewinnspiel: Es war einmal in Frankreich

  5. Happy Birthday, lieber Splitter Verlag und auf viele weitere erfolgreiche Jahre. Durch euch bin ich auf den Geschmack gekommen, mir hin und wieder ein Comic oder besser gesagt ein Kunstwerk, zu gönnen.

    Macht weiter so!

    Gewinnspiel: Es war einmal in Frankreich!

  6. Der Lieblingscomic von Horst ist laut Interview die aktuelle Jubiläumsausgabe von ´Es war einmal in Frankreich´. Ansonsten war ja früher immer Hermann sein absoluter Favorit (und auch der Moeb).

    Eigentlich möchte ich ja die komplette Möbius Collection gewinnen! :))

    P.S.: Horst, alte Gurke, komm mal wieder zum Stammtisch!!!

  7. „Es war einmal in Frankreich“. Super, dass diese schwer zu kriegenden Sachen doch immer wieder eine Chance bekommen. Ich freu mich, dass auch Moebius „Umleitung“ bald wieder kommt, das war schon immer mein Lieblingscomic von ihm. Jetzt müssen nur noch die Vagabunden der Unendlichkeit und Isabella ihre fällige Chance kriegen. (Und Marc Dacier und …)

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