Als treue Leser der Comic-Denkblase kennt Ihr natürlich Bernd Kissel. Der sympathische Saarländer und fantastische Zeichner ist seit langem Freund dieses Blogs – wie Ihr wisst, hat er das Titelbild gestaltet, und war auch schon öfter Thema hier auf der Seite. Da ist es doch logisch, dass ich das neue Jahr mit einem Comic beginne, der aus seiner Feder stammt. Elon & Jeff on Mars – eine weitere Zusammenarbeit von Bernd mit Marc-Uwe Kling. Wer die Känguru-Comics mag, wird auch die aktuelle Geschichte lieben. Wie schön, dass Bernd als erste Amtshandlung des Jahres meine Fragen beantwortet hat. Lest also mehr zum aktuellen Comic: Elon & Jeff on Mars.

(Alex Jakubowski) Lieber Bernd, die Geschichte um Elon & Jeff ist ja aus den Känguru-Comics heraus entstanden. Verrate uns ein bisschen mehr darüber. Wie kam es dazu?
(Bernd Kissel) Die Känguru-Comics entwickelten ja schnell ein Eigenleben. Basierte das Universum anfangs noch ausschließlich auf den Figuren der Känguru-Chroniken, kamen mit der Zeit neue Charaktere und Handlungsstränge hinzu. So auch die fiktive Sitcom Elon & Jeff on Mars. Was als Gag eines einzigen Strips begann, entwickelte sich schnell zu einer bei uns Machern und beim Publikum beliebten unregelmäßigen Reihe innerhalb der Serie. Marc-Uwe und ich hatten viel Spaß mit den Figuren und den Möglichkeiten, die diese Intermezzi auf dem Mars boten. Als wir uns dann nach über 600 Folgen dazu entschlossen hatten, die Känguru-Comics auf unbestimmte Zeit zu pausieren, war gleich klar, dass wir gerne weiter miteinander Comics machen wollten. Und schnell war auch das passende Thema gefunden: ein Album von Elon & Jeff on Mars, in dem wir ihre Vorgeschichte und ihr Schicksal genau unter die Lupe nehmen wollten.

© Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2025
Ich unterstelle mal: Die Akteure sind Euch nicht so ganz sympathisch. Hilft das bei so einer Story oder ist das eher hinderlich?
Für mich war es tatsächlich ein Antrieb. Diese beiden Akteure in der realen Welt sind so unverschämt reich, so unfassbar egozentrisch und leider auch so extrem einflußreich, dass man als rechtschaffener Bürger, Steuerzahler und Demokrat schon arg frustriert dieses Treiben beobachtet. Und mit den Mitteln der Satire und der Karikatur war es uns und mir ein Stück weit möglich, diese Frustration zu kanalisieren. Schwierig wurde es, wenn die realen Typen die Grenzen der Realsatire dermaßen strapaziert haben, dass auch die übertriebensten Ideen unserer Satire in direkter Konkurrenz zu den Ereignissen in der realen Welt getreten sind.

Im Comic steckt ja unheimlich viel drin: zwischenmenschliches, KI, Umweltverschmutzung etc. Plauder doch mal aus dem Nähkästchen: Geht das Marc-Uwe Kling einfach so von der Hand? Es wirkt jedenfalls so…
Marc-Uwe ist ein Künstler, der absolut authentisch ist. Das, was er sagt und schreibt, meint er auch so. Er predigt nicht Wasser und trinkt dann Wein sondern steht zu 100% zu den Thesen und Ideen, die sein Werk durchziehen. Und bei Elon & Jeff war es nicht anders.
Wobei es mir ein Rätsel ist, wie man das Treiben dieser Milliardäre in irgendeiner Weise überhaupt schönreden könnte. Die Kunst besteht darin, die von Dir genannten Themen noch in einen unterhaltsamen Rahmen zu packen, was Marc-Uwe in diesem Fall meiner Meinung nach absolut gelungen ist.

Was hat Dir bei dem Buch am meisten Spaß gemacht?
Wir haben ja bereits darüber gesprochen, dass die Arbeit an dem Album fast schon therapeutische Wirkung hatte, indem ich mir den ganzen Frust, der sich beim Lesen der Nachrichten aufbaut, hier von der Seele zeichnen und in Kreativität umwandeln konnte.
Spaß hat mir aber vor allem der Science-Fiction-Aspekt gemacht. Als großer Fan von Star Trek – The Next Generation und anderen Filmen und Serien dieses Genres war es sowohl Herausforderung, als auch Erfüllung, ein Design zu finden, das einerseits die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen (grob und vereinfacht) widerspiegeln sollte, die es braucht, um aktuell auf den Mars zu reisen. Andererseits wollte ich aber auch Designelemente und Versatzstücke aus einschlägigen Science-Fiction-Serien und Filmen einbauen, um der Geschichte einen bestimmten Look zu verpassen.

Hast Du das Känguru nicht ein kleines bisschen vermisst?
Auch wenn die Känguru-Comics derzeit pausieren, war das Beuteltier ja nie wirklich weg. In unseren Shows zeichne ich ja immer einen Live-Comicstrip und da spielte das Känguru in den meisten Fällen die Hauptrolle. Zudem hatte ich im Oktober 2025 an der InkTober-Zeichenchallenge teilgenommen und mir als Aufgabe gesetzt, jeden Tag eine Zeichnung des Kängurus anzufertigen. Und wer weiß, wann und in welcher Form es wieder auftaucht. Wir wissen ja alle, wie umtriebig es ist.

Deine Zusammenarbeit mit Marc-Uwe Kling ist ja sehr erfolgreich. Habt Ihr schon weitere Pläne?
Ich denke sehr oft darüber nach, was für ein Glücksfall es doch war, als Carlsen, und hier ganz speziell Klaus Schikowski, Marc-Uwe und mich 2020 zusammengebracht hat. Seither haben wir ja tatsächlich schon viele Projekte gestemmt. Eins davon ist ja die Fantasy-Buchreihe Der Spurenfinder, die er gemeinsam mit seinen Töchtern schreibt. Ich hatte das große Vergnügen, die beiden bisher erschienenen Bände zu illustrieren. Soweit ich weiß, ist nun ein dritter in Arbeit, auf den ich mich schon sehr freue.

an der nächsten tollen Überraschung für uns… © Florian Brunner
Hier findet Ihr einen weiteren Text zu Bernd: Känguru-Comics
Und hier gehts zum Verlag: Carlsen Comics

© Sven Hagolani