Wolkes Wahn: Comic – Musik – Frankfurt

Mit Wolkes Wahn legt der Frankfurter Zeichner Holger Klein sein zweites Solo-Album beim Verlag Kult Comics vor. Dem Thema Musik ist er auch mit dieser Veröffentlichung treu geblieben. Nachdem er sich zuletzt von Chat Baker inspirieren ließ, geht es dieses Mal um einen Elektro-Musiker im Frankfurt der Gegenwart.

Musik, Drogen, Frankfurt ©Holger Klein / Comic Combo Leipzig
(AJ) Lieber Holger, Du widmest Dich in Deinem neuen Comic erneut dem Thema Musik im weitesten Sinne. Welche Rolle spielt Musik für Dich?

(HK) Musik spielt eine große Rolle für mich. Ich bin Musikjunkie. Ohne Musik geht bei mir gar nichts. Bei der Arbeit an einem Comic läuft im Hintergrund immer stilistisch passende Musik, die mir hilft, mich in die Atmosphäre der Geschichte hinein zu versetzen. Bei Wolkes Wahn war das hauptsächlich düstere, melancholische Elektronik. Burial, Boards Of Canada oder Klaus Schulze.

Worum geht es in Wolkes Wahn genau?

Es geht um Finn, einen Elektro-Musiker, der ausgebrannt, ein nervliches Wrack und vollgepumpt mit allen möglichen Drogen, sich in einer Frankfurter Nervenklinik wiederfindet. Sein Kollege Stomp, ein Musikproduzent und Clubbesitzer, schlägt ihm vor, ein gemeinsames Album aufzunehmen. Für Finn scheint das ein Ausweg aus der Krise. Aber die Schatten der Vergangenheit haben Finn noch fest im Griff, und die Sache entwickelt sich anders als erhofft.

Wolkes Wahn – Cover © Holger Klein / Comic Combo Leipzig
Ist das alles Fiktion? Oder findet sich die Frankfurter Szene darin wieder? Oder auch eine andere?

Mit der Frankfurter Techno-Szene, die in den 80er Jahren neben Detroit Techno und Chicago House als frühes Epizentrum der elektronischen Tanzmusik galt, hat die Geschichte von Wolkes Wahn nichts zu tun. Keiner der Protagonisten der Szene taucht als Figur in dem Comic auf. Bei der Figur der Rapperin Ronja Z habe ich mich aber von der Frankfurter Rapperin Schwester Ewa inspirieren lassen.

Die Idee zu Wolkes Wahn habe ich der Biographie von Iggy Pop und David Bowie entnommen. Als Bowie 1975 in Los Angeles lebte, besuchte er öfters Iggy Pop in der Psychiatrie. Der hatte massive Psychische und Drogenprobleme. Bowie schlug ihm vor, nach Berlin zu ziehen und ein gemeinsames Album aufzunehmen. Was die beiden dann auch taten.

Düster und mit erkennbarem Stil © Holger Klein / Comic Combo Leipzig
In Deinem Comic davor hattest Du Dich mit einem real existierenden Musiker beschäftigt. Was fällt Dir leichter?

Der Trompeter Harry Linke in meinem Comic Tödliches Spiel war kein real existierender Musiker. Ich habe mich lediglich an dem Trompeter Chat Baker orientiert. Bisher war bei mir immer alles ausgedacht.

Woran arbeitest Du jetzt, hast Du schon weitere Projekte?

Fertig ist bereits ein weiterer Comic: Der Vampir von Düsseldorf. Das ist nach Blutspur und Paradies meine dritte Zusammenarbeit mit dem Texter Michael Mikolajczak. Das Projekt ist abgeschlossen. Der Comic erscheint demnächst. Zur Zeit beschäftige ich mich mit dem Maler Ernst Ludwig Kirchner. Aus verschiedenen Quellen versuche ich ein Comic-Biopic zu erstellen. Kirchner war ein genialer und wichtiger Künstler. Er hatte allerdings auch psychische Probleme und war Drogensüchtig. 1938 hat er Suizid begangen. Damit ist er meinen ausgedachten Figuren doch ziemlich ähnlich. Mal schauen, wie ich mit einer real existierenden Person zurechtkomme. Für mich ist das ein Experiment – Ausgang offen.

Zeichner Holger Klein ©privat
Angaben zum Buch: Wolkes Wahn. Text und Zeichnung: Holger Klein. Hardcover, in Farbe. 96 Seiten. Kult Comics. 20,-€ (Es existiert eine limitierte Variantausgabe mit signiertem und nummeriertem Exlibris.

Mehr zu Holger Klein findet sich auch auf der comic-denkblase: https://comic-denkblase.de/atelierbesuch-holger-klein

Und hier gehts zum Verlag: https://kultcomics.net

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