Herzliche Gratulation: Erneut ein Eisner-Award für Alexander Braun!

Zum zweiten Mal hat Comic-Experte und Kunsthistoriker Alexander Braun den wichtigsten Comic-Preis der Welt gewonnen. Dieses Mal für sein Buch über George Herrimans Krazy Kat. Ich habe dem strahlenden Gewinner per Email ein paar Fragen geschickt. Allerherzlichsten Glückwunsch!

Cover von George Herrimans Krazy Kat ©TASCHEN-Verlag 2019

(AJ) Lieber Alexander, Du hat jetzt bereits zum zweiten Mal einen der begehrten Eisner-Awards gewonnen. Wenn ich das richtig sehe, bist Du der einzige Deutsche, der jemals einen gewonnen hat. Achtung Fussballerfrage: Wie fühlt es sich an? Und wie ist eigentlich der Ablauf? Wie wird man nominiert? Wie hast Du vom Gewinn erfahren und wann?

Schon 2015 bekam Alexander Braun einen Eisner-Award

(AB) Das stimmt. 2015 habe ich schon einen Eisner-Award für »Complete Little Nemo« erhalten. Die Jury ist jedes Jahr anders besetzt und in der Regel ausdrücklich nicht mit »Big-Playern« aus dem Business. Es sind eher engagierte Bibliothekare, Fachjournalisten, Blogger etc. Vielleicht auch eine Anregung für Erlangen, die Max-und-Moritz-Jury öfters mal zu wechseln, nicht zuletzt um unterschiedliche Kontexte, Generationen und Leseerfahrungen besser abbilden zu können. In diesem Jahr haben die sechs Juroren https://www.comic-con.org/toucan/eisner-awards-judges-comments 1.800 Neuerscheinungen des Jahres 2019/2020 gesichtet und auf 180 Nominierungen in 32 Kategorien eingedampft.

Eisner Award for Best Archival Project

Meine Kategorie heißt »Eisner Award for Best Archival Project«, also Projekte, die altes Material heben und neu zugänglich machen. In der Regel wird man 24 Std. vor der Verleihungszeremonie informiert, dass man gewonnen hat, um sicherzustellen, dass der Preisträger möglichst vor Ort in San Diego ist, um seinen Preis entgegen zu nehmen. Wegen Corona war dieses Jahr alles anders und beschränkte sich auf eine Online-Präsentation. https://www.youtube.com/watch?v=iSUgRvQPdj0&feature=youtu.be Eine Präsentation, die im übrigen etwas kläglich ausgefallen ist, vergleicht man sie mit der schönen und aufwendigen Präsentation der diesjährigen Max-und-Moritz-Preisträger mit Hella von Sinnen. https://www.youtube.com/watch?v=xEjksCbIrg4&feature=youtu.be Das bildet vermutlich auch die verschiedenen Systeme ab. Ich weiß nicht, wie sich die Eisner Awards finanzieren, aber gewiss nicht als Kulturveranstaltung durch die öffentliche Hand. Hier erweist sich einmal mehr unser Subventions-System als überlegen. Erst recht in einer Krise.

Eisner-Award Gewinner Alexander Braun ©Robert Miguletz

(AJ) Wie hast Du Deine Chancen eingeschätzt, angesichts der nominierten Konkurrenz?

Starke Konkurrenz

(AB) 2015 war das schon extrem überraschend und jetzt eigentlich auch. Die XXL-Bücher von TASCHEN sind zwar im doppelten Sinne ein »Pfund« – in Größe, Gewicht, Ausstattung und Qualität – aber in der Regel bleibt die US-Comic-Szene schon gerne unter sich (außer in den ausdrücklich internationalen Kategorien, wie »beste internationale Veröffentlichung in einem US-Verlag« etc.). Außerdem ist die Konkurrenz in beiden Jahren sehr stark gewesen. 2015 ist unter anderem die tolle »Floyd Gottfredson-Mickey-Mouse«-Gesamtausgabe von Fantagraphics nominiert gewesen, jetzt war es die »Pogo«-Gesamtausgabe. »Pogo« ist zweifellos auf Augenhöhe mit »Krazy Kat«. Am Ende ist es immer auch eine gute Portion Glück.

Krazy Kat von George Herriman ©TASCHEN Verlag 2019

(AJ) Wie sind die Rückmeldungen auf so eine Sensation? Aus der deutschen Szene wirst Du ja mit Glückwünschen überhäuft, aber wie fällt die internationale Reaktion aus?

Ruhm und Ehre

(AB) Rückmeldungen sind für mich eher eine neue Erfahrung. 2015 hat das hier in Deutschland niemand zur Kenntnis genommen, auch die Fachmagazine nicht. Da haben mehr US-Kollegen oder Freunde aus Italien geschrieben als deutsche Kollegen. Das war in der Tat etwas ernüchternd. An sich ist das nicht weiter schlimm, weil dafür macht man es nicht. Aber es scheint ein Gradmesser für die Wertigkeit des Comics im Allgemeinen zu sein. Ein Kollege aus Berlin schrieb gestern: »Pénélope Bagieu wurde im letzten Jahr in Frankreich für ihren Eisner-Award gefeiert, als hätte sie den World Cup nach Hause gebracht.« Soweit sind wir in Deutschland noch nicht. Außerdem bin ich ja quasi nur eine Sekundär-Kategorie und kein Zeichner.

George Herriman ©TASCHEN Verlag 2019

(AJ) Hat so ein Preis irgendwelche Auswirkungen jenseits der PR? Steigen die Buchverkäufe? Gibt es Anfragen für neue Projekte?

(AB) Weder noch. Ob sich dadurch ein paar mehr Titel verkaufen, müsste man den Verlag fragen, aber ich glaube, das ist keine signifikante Größe. Es ist Ehre und Prestige.

Krazy Kat von George Herriman ©Taschen Verlag 2019

(AJ) Was können wir als nächstes von Dir erwarten?

(AB) Bis Ende des Jahres läuft noch »ANIMEfantastisch« im schauraum: comic + cartoon in Dortmund. https://comic-denkblase.de/anime-fantastisch-ausstellung-im-schauraum-comic-cartoon Dann folgt dort im Januar 2021 eine große Will-Eisner-Retrospektive. Das heißt: Ich schreibe im Moment an einer Will Eisner Monographie und gewinne einen Eisner Award. Das ist schräg.

(AJ) Allerdings. Danke Dir und nochmals herzlichen Glückwunsch! 

Den Comic-Denkblasen-Text zum prämierten Buch findet Ihr übrigens hier:
https://comic-denkblase.de/george-herrimans-krazy-kat-neues-buch-von-alexander-braun

 

 

Ein Kommentar

  1. Mit George Herimann ist es ein US-Amerikaner, der indirekt die Ehre erfährt, also bleibt die Eisner-Jury sich letztlich treu und lobt die USA wie im Text beschrieben. Krazy Kat wurde in der Sekundärliteratur schon in den 80er Jahren hochgelobt, war aber kaum greifbar in Deutschland, es dauerte 40 Jahre, bis jetzt endlich so eine Edition vorgelegt wurde. Doll. Mit der Will Eisner Monographie kann dann erneut der Eisner Preis gewonnen werden. Braun mach den Hattrick! Ich gönn es ihm.

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