Neues Projekt von Bernd Kissel: Comic zum Freistaat Flaschenhals

Endspurt für Bernd Kissel. Der Zeichner aus dem Saarland sitzt bereits an den letzten Arbeiten zu seinem neuen Werk „Freistaat Flaschenhals“. Der Band wird im kommenden Jahr bei Carlsen erscheinen. Im gleichen Verlag hatte er zuletzt gemeinsam mit Flix das Album Münchhausen veröffentlicht. Nachdem Bernd auch schon einige Comics gezeichnet hat, die sich vor allem um Geschichten aus dem Saarland drehen, hat er sich jetzt um ein historisches Ereignis gekümmert, das in Hessen angelegt ist. 

(AJ) Lieber Bernd, wie kommt es zu dem neuen Projekt Freistaat Flaschenhals?

(BK) Carlsen-Redakteur und Programmleiter Klaus Schikowski gefiel mein Strich so gut, dass er mich zu Carlsen holte, um Flix‘ Skript zu Münchhausen zu zeichnen. Klaus hatte aber weitere Pläne: Er und Autor Marco Wiersch trafen sich vor Jahren mal auf einer Party und kamen ins Gespräch. Marco, seines Zeichens Drehbuchautor für Produktionen wie „Tatort“, „Bloch“ oder „Der Fall Barschel“, hatte eine Idee für eine Graphic Novel. Die spannende Geschichte rund um die Entstehung des Freistaat Flaschenhals wäre doch ein perfekter Stoff für Carlsen.

Klaus war sofort begeistert und trug das Projekt jahrelang mit sich herum. Er wollte einen Zeichner finden, dessen Strich zu dieser Geschichte um ein historisches Kuriosum passte. Irgendwann nach dem Ende der Arbeit an Münchhausen rief mich Klaus an und fragte mich, ob ich schon mal vom Freistaat Flaschenhals gehört hätte. Ich war sofort begeistert und so nahm alles seinen Lauf. Der genaue Titel ist auch Freistaat Flaschenhals. Der hat alles. Er klingt lustig, macht neugierig, mutet historisch an und hat sogar eine Alliteration.

Inking und Model-Sheet
Inking und Model-Sheet zu „Freistaat Flaschenhals“. ©Bernd Kissel

(AJ) Worum geht es dabei?

(BK) Bei den Waffenstillstandsverhandlungen im November 1918 unterlief den Alliierten beim Aufteilen der Besatzungszonen ein kleiner Fehler: Ein Brückenkopf wurde um Mainz und ein weiterer um Koblenz gezogen. Die beiden Kreise trafen sich aber nicht, weshalb ein kleiner Bereich in der Gegend um Kaub und Lorch am Rhein, der an die Form eines Flaschenhalses erinnerte, frei blieb. Neutrales Land quasi. Unsere Geschichte dreht sich nun um die Bewohner des „Freistaates“ und deren unermüdliche und äußerst erfindungsreiche Versuche, in schwierigen Zeiten weiterhin selbständig und unabhängig zu bleiben.

(AJ) Seit wann arbeitest Du an dem Buch?

(BK) Wir haben vor knapp zwei Jahren damit angefangen über die Story zu sprechen. Danach ging es auch schon bald los mit den ersten Skizzen und Entwürfen.

(AJ) Wann wird das Buch erscheinen und wie umfangreich wird es sein?

(BK) Im Frühjahr 2019, also pünktlich zum Jubiläumsjahr der Entstehung des „Freistaates“ wird der knapp 190 Seiten umfassende Band als Hardcover erscheinen.

Panel aus "Freistaat Flaschenhals"
Sein Strich ist schon aus den Saarland-Alben und Münchhausen bekannt. ©Bernd Kissel

(AJ) Anders als zuletzt bei Münchhausen widmest Du Dich dieses Mal einem „realen“, historischen Thema. Welche besonderen Herausforderungen bringt das mit sich?

(BK) So ganz unerfahren bin ich ja nicht mit historischen Stoffen. Meine zweite Comicreihe, SaarlandAlbum, die ich vor 7 Jahren für die Saarbrücker Zeitung geschrieben und gezeichnet habe, drehte sich um die wechselvolle (Nachkriegs)Geschichte des Saarlandes. Damals recherchierte ich recht viel, um so authentisch wie möglich zu bleiben. Aber bei Freistaat Flaschenhals war das alles noch intensiver. Wobei man nie davor gefeit ist, bei Uniformen, Autos oder Lokomotiven nicht den ein oder anderen ungewollten Anachronismus einzubauen. Aber über die Jahre wächst auch mein Archiv mit historischen Fotos und Abbildungen und man entwickelt ein Gefühl dafür, sich zeichnerisch historisch korrekt zu verhalten, oder sich auch mehr oder weniger geschickt aus der Affäre zu stehlen.

Skizze einer Bewohner des "Freistaats Flaschenhals"
Genaue Recherche ist auch beim Aussehen der Bewohner nötig. ©Bernd Kissel

(AJ) Bist Du eigentlich auch Autor?

(BK) Einige meiner Comics habe ich auch selbst geschrieben. Das bereits erwähnte SaarlandAlbum wurde zum überwiegenden Teil von mir geschrieben, bzw. adaptiert. Auch zwei Krimis für ZDF.de durfte ich selbst schreiben. Diese beiden Storys basierten auf zwei von Holger Karsten Schmidt geschriebenen Fernsehfilmen um den etwas ungewöhnlichen Ex-Polizisten und Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann). Es war ein großer Spaß, mir zwei weitere Fälle auszudenken, die, zumindest beim ersten Teil, unmittelbar dort endeten, wo der zweite Fernsehfilm begann. Und wer weiß? Vielleicht schreibe ich auch mal meine eigene Graphic Novel oder ein Album. Lust dazu hätte ich jedenfalls sehr viel.

 

Cover von "Münchhausen"
Bei „Münchhausen – Die Wahrheit übers Lügen“ arbeitete Bernd mit Flix zusammen. ©Carlsen-Verlag

(AJ) Was ist anders, als zuletzt etwa bei Münchhausen?

(BK) Für Münchhausen hatte Flix die Geschichte ja nicht in schriftlicher Form, sondern als rudimentäres Scribble verfasst, das mir viele Anregungen gab, wie ich die Panels anordnen, bzw. aufbauen könnte. Oft orientierte ich mich an seinen Ideen, teilweise löste ich mich auch mal davon und machte eigene Vorschläge. Aber für eine erste Graphic Novel dieses Umfangs war es schon eine hilfreiche Stütze, diese Scribbles zu haben.

Bei Flaschenhals war das ganz anders: Marco ist ja Drehbuchautor und schrieb auch unsere Geschichte in der Form eines Skriptes. Das heißt, um im Bild zu bleiben, dass ich diesmal der Storyboarder, der Regisseur und der Kameramann in einem bin. Es liegt an mir, das geschriebene Wort auf eine nachvollziehbare Bildfolge runterzubrechen. Das war zwar ziemlich aufwändig und zeitintensiv, hat mich aber auch kreativ gefordert und sich gelohnt, da ich so viel dazulernen konnte. Auch der Austausch mit Klaus und Marco war und ist sehr spannend, da beide viele Ideen und Lösungsmöglichkeiten einbringen.

(AJ) Was steht danach an?

(BK) Nach Freistaat Flaschenhals werde ich zunächst einmal ein Album fertigstellen, das sich wiederum mit der Geschichte des Saarlandes beschäftigt, ein Thema, das mich irgendwie nicht loslässt. Meine laufende Serie für meine Heimatstadt (die man übrigens gratis online lesen kann unter https://staedtisches-museum.saarlouis.de/comic/) wird ebenfalls fortgesetzt. Außerdem haben Klaus Schikowski und ich noch ein paar Ideen, was man machen kann. Es bleibt also spannend!

Zeichner Bernd Kissel
Zeichner Bernd Kissel sitzt schon an der Endfertigung des neuen Comics „Freistaat Flaschenhals“.

(AJ) Vielen Dank!

(BK) Sehr gerne.

 

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