Jack Wolfgang: CIA-Agent mit feiner Nase

Zugegeben, ich habe lange gebraucht, um Geschichten wie Jack Wolfgang zu mögen, in denen Cops mit Tiergesichtern herumlaufen. Aber letztlich hat gutes zureden geholfen. Und so habe ich mir irgendwann vor einigen Jahren die ausgezeichnete Reihe Blacksad vorgenommen, die ich mittlerweile  für eine der besten Comicserien der vergangenen Jahre halte.

Blacksad als Vorbild?

Umso leichter hatte ich es daher mit einem neuen Band, der zwar nicht aus der Blacksad-Reihe stammt, aber mit einem Wolf in Menschenmanier aufwartet. Jack Wolfgang (wie hintersinnig) heisst die von Erfolgsautor Stephen Desberg entworfene Reihe, die beim Verlag Schreiber & Leser erschienen ist. Gemeinsam mit Batman-Autor Enrico Marini hat der zuletzt etwa Der Stern der Wüste und Der Skorpion gemacht. Er hat aber auch schon mit Will und Maurice Tillieux zusammen gearbeitet.

Jack und die geheimnisvolle Pantherin
Jack und die geheimnisvolle Pantherin auf der Suche nach einer wichtigen Namensliste. ©Stephen Desberg und Henri Reculé/Schreiber & Leser

Jetzt hat Desberg eine Geschichte entworfen, die sich um einen Restaurantkritiker dreht. So weit, so langweilig. Wäre der Kritiker nicht gleichzeitig CIA-Agent. Auch noch einer der besten Spione der Welt, wie auf dem Buchrücken zu lesen ist. Das Interessante an der Geschichte: Nicht alle Figuren sind Tiere. Neben den Tieragenten hat Zeichner Henri Reculé auch Menschen aufs Papier gebracht. Das sorgt für Konflikte, halten sich die Menschenagenten doch gleich für etwas Besseres. Aber keine Angst: Es droht kein zweiter Planet der Affen…

Krimi Noir oder James Bond?

Jack Wolfgang tritt zu Beginn als Ich-Erzähler auf. Sofort habe ich die Stimme eines einsamen Ermittlers im Ohr. Trostlos wartet er in einer Bar auf seinen Kunden. Ein Klischee – aber ein Klischee, das funktioniert.

New York, Paris oder Venedig
New York, Paris oder Venedig. ©Stephen Desberg und Henri Reculé/Schreiber & Leser

Schnell habe ich den Eindruck, dass sich vor meinen Augen ein Film abspielt. Wechselnde Orte, kurze Dialoge, Action- und Kampfszenen. Ein Tieragent, der vom Dienst suspendiert wird und auf eigene Faust weitermacht. Ein mysteriöser Auftrag, ein erschossener Mentor, eine geheimnisvolle Pantherin. Der Comic hat viele Elemente eines kurzweiligen Krimis.

Doch dann kommt es zum Koch-Duell zwischen Jack Wolfgang und einem seiner Widersacher. Ein wahnwitziger Höhepunkt oder eine alberne Pointe? Ich bin mir noch nicht sicher. Übertreibung, auch gnadenlose – die ist ja gerade im Comic möglich. Und dennoch stört es mich in diesem Album ein wenig.

Versöhnliches Action-Ende

Am Ende warten furiose Action-Szenen a la Mission Impossible oder James Bond. Das versöhnt wieder ein bisschen. Dennoch hinkt Jack Wolfgang anfangs erwähntem Blacksad hinterher.

Eine verführerische Gegnerin.
Eine verführerische Gegnerin. ©Stephen Desberg und Henri Reculé/Schreiber & Leser

Kurzweilige Unterhaltung liefert der Band dennoch. Und wer auch bei einem James Bond-Film nicht immer alles auf die Goldwaage legt, der dürfte sich auch bei Jack Wolfgang ausreichend amüsieren.

3 von 5 Comic-Denkblasen

Infos zum Buch: Reculé/Desberg: Jack Wolfgang. Band 1: Der Wolf ist los. Hardcover, farbig. 64 Seiten, 16,95€

Vielen Dank an den Verlag Schreiber & Leser für das Rezensionsexemplar.

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