Flix Deluxe: Spirou in Berlin

Die Comicszene feiert das Album Spirou in Berlin als Sensation. Zum ersten Mal in der 80-jährigen Geschichte von Spirou und Fantasio darf ein Deutscher die Reihe fortschreiben. Das Feuilleton lobt den Band, aber auch die Kunden greifen zu. Der Erfolg ist so groß, dass der Verlag in kürzester Zeit Folgeauflagen drucken muss. Zu Recht, denn das Werk von Flix ist eine gelungene Umsetzung eines francobelgischen Klassikers. Zugegeben: Die Geschichte ist schon ein paar Monate auf dem Markt. Aber, da das Buch eines meiner Lieblingsalben des Jahres ist und zudem eine Deluxe-Version erschienen ist, will ich hier nochmals darauf eingehen…

Illu_Toubot_lenin02 (c) Flix_Carlsen Verlag, 2018
Illustration zu „Spirou in Berlin“. © Flix Carlsen Verlag, 2018

In Deutschland ist Zeichner und Autor Flix schon lange kein Unbekannter mehr. Mit seinen Büchern hat er sich einen Namen gemacht. Egal ob mit seiner Diplomarbeit Held, den Schönen Töchtern, Glückskind oder seinen Interpretationen von Klassikern der Weltliteratur.

Bald dürfte er auch im Ausland so manchem ein Begriff sein, denn sein Spirou-Abenteuer soll auch auf dem französischsprachigen Markt erscheinen. Unsere Nachbarn müssen sich zwar noch mit der Vorfreude begnügen. Für die deutschen Fans aber  hat Carlsen noch eine Sonderausgabe produziert. Mit Vorzeichnungen, einem Interview, Skizzen, Auszügen aus dem Storyboard und dem „Drehbuch“ im Schutzumschlag. Eine auf 999 Exemplare limitierte, liebevoll produzierte Sammlerausgabe, die bei den meisten Händlern schnell vorbestellt und somit vergriffen war – im Internet ist sie aber noch verfügbar.

Viele versteckte Überraschungen

Das Leben der Anderen trifft auf James Bond, so hat es mir Flix im Alfonz-Interview beim Comicsalon in Erlangen selbst beschrieben. Und das dürfte es auch ganz gelungen umreissen. Die Geschichte ist rasant erzählt und versucht den morbiden Charme Ost-Deutschlands gegen Ende der 1980er Jahre einzufangen.

Die DDR kurz vor der Wende. Das Land ist am Abgrund und sucht nach Lösungen. Dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugeht ist klar. Der Graf von Rummelsdorf wird entführt und Spirou und Fantasio kommen schnell auf seine Spur. Die führt natürlich in den Osten und dort erleben die beiden ein Abenteuer rund  um Intrigen und Verdächtigungen. Es geht um eine neue Wunderwaffe des Sozialismus, um ein vom Grafen hergestelltes Pilzserum und natürlich auch um eine Frau. Die verdreht Spirou erst den Kopf und hilft ihm dann aus der Patsche. 

Flix drückt Spirou und Fantasio seinen eigenen Stempel auf. Der Witz des Wahlberliners kommt immer wieder durch. Großes Kino sind natürlich seine vielen, vielen Anspielungen. Da finden sich bekannte Stars der Comicszene im Skulpturengarten, wer genau hinsieht entdeckt in der U-Bahn Klaus Schikowski von Carlsen, Iggy Pop oder auch den Schlagzeuger der Berliner Band Die Ärzte. Und selbst das Marsupilami taucht in Teilen auf. Flix nimmt sich so viele Freiheiten wie möglich und dennoch erzählt er eine Geschichte, die in der Tradition von Spirou und Fantasio steht und manche Bände der Spezial-Reihe an Qualität deutlich überholt.

Skizzen zu „Spirou in Berlin“.  © Flix Carlsen Verlag, 2018

Eigener Stil

Es ist somit keine Hommage entstanden, sondern eine eigenständige Folge im Spirou-Universum. Und die wird auch gebührend produziert. Schon das „normale“ Album ist in seiner Machart von schöner Qualität. Als Hardcover hebt es sich von den anderen Bänden der Spirou-Reihe ab. Die Deluxe-Variante bietet aber in der Tat noch wesentlich mehr und dürfte wegen der Limitierung vor allem die Sammler anlocken. Denn natürlich hat das Ganze auch seinen Preis. Dafür aber bekommt der Leser Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Comics und hat am Ende vermutlich eine begehrte „Rarität“ in den Händen, die Flix auf seinen Signier-Touren sicherlich gerne noch mit einem Sketch veredeln wird.

5 von 5 Comic-Denkblasen

Angaben zum Buch: „Spirou in Berlin“ von Flix. Deluxe-Ausgabe, Überformat, Hardcover, 128 Seiten. – Auf 999 Ex. limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem Druck. Carlsen Verlag. 58,-

Flix und ich beim Comic-Salon in Erlangen.
Flix und ich auf dem Comic-Salon in Erlangen, beim Fotoshooting für einen Artikel in Alfonz – Der Comicreporter. 

Während der Buchmesse durfte ich auf der ARD-Buchmessen-Bühne ein Interview mit Flix führen. Das komplette Gespräch findet Ihr hier:

https://www.hessenschau.de/kultur/flix-im-gespraech,video-74530.html

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere