Polle – das neue Kindercomic-Magazin aus Frankfurt

Polle – das neue Kindercomic-Magazin aus Frankfurt

Kennt Ihr Jacob Hoffmann? Der Frankfurter ist sehr aktiv in Sachen Comics und hat schon viele, viele Veranstaltungen in Frankfurt dazu gemacht. Jetzt startet er etwas Neues: Ein Kindercomic-Magazin. Polle heißt das Ganze und soll zum Erlanger Comic-Salon Ende Mai erscheinen. Gemeinsam mit Ferdinand Lutz und Dominik Müller bringt Jakob das Heft heraus. 2000 Stück werden kostenlos unters Volk gebracht. Finanziert haben die drei Macher das Ganze per Crowdfunding.

Polle - das neue Kindercomic-Magazin ©Ferdinand Lutz
Polle – das neue Kindercomic-Magazin ©Ferdinand Lutz

Im ersten Heft sind u.a. die beiden Frankfurter Anke Kuhl und Philipp Wächter vertreten. Aber es finden sich auch Zeichnungen vom Berliner Mawil und vielen, vielen anderen in der Ausgabe. Seit ein paar Tagen ist Polle 1 im Druck. Aus diesem Anlass habe ich mit Jakob ein Interview geführt:

 

Lieber Jakob, wie kam es zu der Idee, ein Kindercomic-Magazin zu machen?

(J.H.) Ferdinand Lutz ist Kindercomiczeichner (Q-R-T) und macht mit dem Musiker Dominik Müller sogenannte Bildklanglesungen. Wir haben in Frankfurt ein paar Veranstaltungen zusammen gemacht. Ich war so begeistert von den Auftritten, dass ich sie auch zum Kindercomicfestival Yippie eingeladen habe. Dort haben sie mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, eine Kindercomiczeitschrift mit ihnen zu machen. Sie meinten, das fehle eindeutig in der deutschen Comiclandschaft – ein nicht kommerzielles Kindercomicheft mit vielen verschiedenen Zeichner*innen.

An wen richtet sich das Heft genau?

An Kinder, die schon selbst lesen, die ihren eigenen Comic wollen. Kinder zwischen 8 und 11 würde ich sagen. Ihnen soll Lust auf Comics gemacht werden, sie sollen sehen, wie vielfältig das Genre ist.

Was glaubt ihr, macht euch attraktiv?

Na, wir hoffen natürlich erst mal, dass wir attraktiv gefunden werden. Es ist ja nur ein kleines Heft, 36 Seiten. Wir haben vor allem ganz großartige Zeichner*innen. Und nur Erstveröffentlichungen, also bei Polle kriegt man´s zuerst. Die Geschichten sind witzig, aber nicht rosarot oder himmelblau, sondern einfach aus dem Leben.

Was ganz besonderes ist, dass für Polle gleich zwei Songs geschrieben wurden, von Dominik. Die kann man hören und dabei die entsprechenden Seiten anschauen und lesen. Da gibt es zum Beispiel das „Schnarchhorn“, eigentlich ein  Musikwimmelbild. Mitten im Heft gibt es einen Minicomic den man rausnehmen und fertig zeichnen kann. Das macht Ferdinand immer in seinen Workshops, das kommt sehr gut an.

Auch Mitsinglieder finden sich in Polle.
Das Schnarchhorn ©Dominik Müller/Max Fiedler

Wie oft soll Polle erscheinen?

Sobald die Finanzierung steht: sechs Mal im Jahr.

Wie reagieren die angesprochenen Zeichner?

Euphorisch. Viele haben sich einfach so gemeldet, Hilfe angeboten und immer dazu gesagt, wie gut sie es finden würden, wenn es Polle schafft, regelmäßig zu erscheinen. Wir haben schon Beiträge für die nächste Nummer. Es gibt eben keine Kindercomiczeitschrift, in der sich die Zeichner*innen zeigen können. Wir haben schon Anfragen von einer Hochschule und es gibt auch Kontakt mit einem sehr ähnlichen Projekt in Holland.

Die Polle Macher Dominik Müller, Jakob Hoffmann und Ferdinand Lutz.
Die Polle-Macher Dominik Müller, Jakob Hoffmann und Ferdinand Lutz. ©C.Hoffmann

Wer wird angesprochen, wer macht mit?

Ferdinand und Dominik kennen eine Menge Leute aus der Comicszene, auch von Festivals. Da hat sich das sehr schnell rumgesprochen. So kamen z.B.  Mawil, Ulf K., Tanja Esch und Aisha Frantz dazu. Ich habe auch Leute angesprochen, die man eher mit Kinderbüchern verbindet wie Nadia Budde oder Philip Waechter, die aber auch fantastische Comics machen. Wir haben aber auch versucht, unbekannte Leute, die wir gut finden, mit ins Boot zu holen, z.B.  den Russen George Mager, Sylvain Merot oder die Leipziger Künstlerin Agnes Lammert, die eine großartige Zeichnerin ist. Max Fiedler und Sandra Brandstätter kenne ich von „Yippie“ und mit den Zubinskis und Anke Kuhl aus der Ateliergemeinschaft Labor habe ich schon andere Projekte gemacht. Bei einem war Adam Higton aus England dabei, der ist auch bei Polle mit von der Partie.

Das erste Heft wurde per crowdfunding finanziert. Wie soll es weitergehen?

Das ist gerade die ganz große Frage. Wir machen das Projekt bisher ehrenamtlich, wollen aber, dass die Künstler*innen bezahlt werden. Die finanzielle Situation der meisten Comicleute in Deutschland ist prekär. Momentan favorisieren wir ein Modell, aus Abonnements und ausgabenspezifischen Partnerschaften. Die Nummer 1 wurde z.B. vom Comicsalon Erlangen unterstützt.

Wir sind gerade in Gesprächen mit einer anderen Zeitschrift, mit der wir uns gut ergänzen würden. Auch Verlage klopfen an, aber die sind natürlich sehr vorsichtig, der Zeitschriftenmarkt  ist ja nahezu ohne Perspektive. Es ist eine große Herausforderung. Meine grundsätzliche Einstellung dazu ist, dass man denen, die Polle wollen, klar machen muss, dass es etwas kostet und dass wir die Hefte nicht durch likes finanzieren können. Wir brauchen ca. 2.000 Abos, sonst klappt es nicht.  Ich bin optimistisch: wir haben tolle Zeichner*innen und wir haben ein Publikum, dass Comics sehr gerne mag – Kinder.

Vielen Dank und viel Erfolg!

 

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