Yippie! und Polle: Kinder freut Euch!

Das Kindercomic-Festival Yippie! in Frankfurt am Main geht in diesem Jahr in die dritte Runde. Wieder einmal ist eine große Zahl an Zeichnern dabei – nicht nur aus der Mainmetropole. In Lesungen und Workshops präsentiert sich die Kindercomicszene – dieses Mal sogar auch in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Und als wäre das nicht schon Grund genug, sich zu freuen: Mit Ausgabe Nummer 2 des Kindercomic-Magazins Polle kommt schon in wenigen Tagen ein von vielen lange ersehntes Heft auf den Markt. Noch kurz vor dem Comic-Festival in München habe ich Yippie!-Mitorganisator Jakob Hoffmann nach dem Programm, seinen Highlights und natürlich auch nach Polle befragt:

(AJ) Lieber Jakob, ganz grundsätzlich: Was erwartet die Besucher dieses Mal beim Festival?

(JH) Tolle Comics natürlich. Und das in ganz verschiedenen Formen: live, mit Musik, mit den Künstlern direkt am Stift, in Workshops, mit inszenierten Lesungen. Und es gibt ein Murmelturnier, also einen Wettkampf mit diesen kleinen schönen Glaskugeln, passend zu dem Comic „Heraus aus der Finsternis“ von Annelie Wagner und Christopher Tauber. Vor allem kann man den Zeichnerinnen und Zeichnern bei Yippie! einfach mal direkt begegnen und sich natürlich auch tolle Sachen in den eigenen Comic zeichnen lassen. Besonders an Yippie! ist auch, dass Comics vorgestellt werden, noch bevor sie zu kaufen sind. Dieses Jahr zum Beispiel von Philip Waechter, der seinen heißerwarteten zweiten Band von „Toni“  vorstellt.

(AJ) Was ist anders als bislang?

(JH) Neben den vielen neuen Comics haben wir einen neuen Spielort, das Museum Wiesbaden. Dort gibt es eine Lesung mit Franziska Ruflair – eine witzige Geschichte vom Adventure Huhn. Besonders freuen wir uns auf unsere Gäste aus Dänemark. Der Zeichner Rasmus Breghnoi und die beiden Autorinnen Sabine Lemire (Mira) und Annette Herzog (Sturmherz, Herzsturm) stellen ihre Comics vor, die in Deutschland ja ziemlich erfolgreich sind. „Mira“ ist z.B. für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert worden. 

(AJ) Mit Mawil habt ihr einen besonderen Gast dieses Mal, da er ja mit seiner Lucky Luke-Hommage gerade durch die Decke geht. Wie ist Euch das gelungen?

Lucky Luke sattelt um
Lucky Luke sattelt um. © Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved – by Mawil

(JH) Mawil war letztes Jahr schon dabei und interessiert sich stark für Kindercomics. Er hat auch immer tolle Ideen für Live-Elemente. Im Mai haben wir schon seinen Lucky Luke in Frankfurt/Main vorgestellt, das hat so Spaß gemacht, dass wir es jetzt noch mal machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Dominik Merscheid dazu ein bisschen live Musik machen und ein Saloon-Klavier zu hören sein wird. Bei Mawil passiert einiges auch spontan, er hat die Gabe, andere mit einzubeziehen.

(AJ) Es sind ja wieder einige Frankfurter Künstler dabei, aber auch viele andere Illustratoren. Was ist zu letzteren zu sagen?

(JH) Die Kindercomicszene in Deutschland ist noch relativ klein. Neue Impulse sind wichtig und es gibt einfach großartige Comics auch aus benachbarten Ländern. Dieses Jahr haben wir uns ein wenig auf Dänemark konzentriert. Wir haben auch Tor Freeman aus England eingeladen, sie kann aber leider nicht kommen. Aber ihren Comic „Willkommen to Oddleigh“ finden wir so toll, dass wir ihn dennoch vorstellen. Dafür haben wir eigens eine Übersetzung gemacht, auch in der stillen Hoffnung, dass sich ein Verlag findet, der die tollen Geschichten um eine Inspektorin und ihren Assistenten in Deutschland publiziert. Es ist ein großartiger Comic, auf den uns übrigens Axel Scheffler hingewiesen hat.

©Silvain Merot

(AJ) Wer kommt noch?

(JH) Franziska Ruflair ist dabei, mit ihr machen wir ein Hühner Spezial, bestehend aus ihrem Comic und einer Lesung des „Großen Bösen Fuchs“ für die wiederum Christopher Fellehner neue Musik schreibt. Christopher Tauber stellt seinen dritten 3 Fragezeichen-Comic vor, mit Annelie Wagner zudem „Heraus aus der Finsternis“, einen Comic, der im Frankfurt von 1918 spielt. Und Sylvain Merot & Julien Prevost stellen ihre endgültige Version von „Fräulein Eiffelturm will ans Meer“ vor, für die sich jetzt ein französischer Verlag gefunden hat. Ein Höhepunkt ist sicher auch die Lesung von Anke Kuhl, die Geschichten aus „Manno“ präsentieren wird. Die sind wirklich sehr lustig. Der Comic hat den Preis der Leibinger Stiftung gewonnen und wird im Frühjahr erscheinen.

(AJ) Wie viel Wert legt ihr auf Interaktion mit den Kindern und Jugendlichen? 

(JH) Ach, da ist eigentlich immer was los. Viele Zeichner*innen zeichnen mit den Kinder zusammen was, manchmal wird gesungen und bei den Schullesungen gibt es immer genügend Zeit zum Fragen. Dazu kommen die Workshops, wo wild gezeichnet und gebastelt wird, dieses Jahr z.B. mit Moni Port und Wiebke Helmchen.

(AJ) Was versteht ihr unter „inszenierten Lesungen“? Und: Ist der Künstler von „Der große böse Fuchs“ auch dabei?

(JH) Benjamin Renner, der Autor und Zeichner des „Großen bösen Fuchs“ ist leider nicht in Frankfurt, er arbeitet an einem neuen Comic. Aber wir lesen ihn mit vier Stimmen und eigens komponierter Musik von Christopher Fellehner. Natürlich sind Ferdinand Lutz und Dominik Merscheid wieder dabei mit neuen und alten Geschichten von Q-R-T. Ihre Hörklanglesungen sind ja der absolute Hit und bringen inzwischen auch große Säle zum Kochen. Also werden sie auch den Sonnemann Saal im Jungen Museum, der die meisten Veranstaltungen beherbergt, rocken. Dominik Merscheid wird zudem live Musik zu Mawil und zu Tor Freeman machen.

(AJ) Zum Höhepunkt, der Drei ??? Lesung: Verrätst Du uns mehr darüber?

(JH) Hmm. Es ist noch nicht ganz bestätigt. Aber die Lesung wird aller Voraussicht nach an einem Ort sein, der perfekt zu einer Detektivgeschichte passt – und außergewöhnlich ist. Dabei gibt es limitierte Plätze. Und alle über 14 müssen draußen bleiben. Christopher Tauber wird dabei auch schon verraten, um was es im neuesten Abenteuer geht.

©Ferdinand Lutz

(AJ) Schöner Umstand am Rande: Ihr werdet Polle Nummer 2 veröffentlichen, euer Kindercomic-Magazin. Das heisst also, Ihr habt die Finanzierung stemmen können?

(JH) Zumindest für die Nummer zwei hat das jetzt geklappt. Wir arbeiten nun eng mit der Zeitschrift „Gecko“ zusammen, ein tolles Magazin aus München, das die Zielgruppe anspricht, die altersmäßig vor Polle liegt. Wenn wir genug Polle 2 verkaufen gibt es eine Nummer 3 und dann werden wir endlich ein Abo anbieten. Die Nummer 2 wird ein bisschen teurer sein – aber auch größer und dicker, d.h. die Comics kriegen mehr Platz.

Szene aus Polle 2, ©Tobi Dahmen

(AJ) Was erwartet die Leser im neuen Heft?

(JH) Eine ganze Menge, wir sind ehrlich gesagt ganz schön stolz darauf, wen wir alles gewinnen konnten. Mit dabei sind renommierte Künstler*innen wie Ralph König, Barbara Yelin, Nicolas Mahler, Bettina Bexte und Leo Leowald. Tobi Dahmen hat einen super Comic beigesteuert, ebenso Robert Deutsch, der unseren Sachcomic gezeichnet hat. Aber auch die Riesentalente Bea Davies und Dominik Wendland sind dabei. Tor Freeman bringen wir als deutsche Erstveröffentlichung mit einer richtig langen Geschichte. Mit der holländischen Zeitschrift Brul haben wir einen Künstlertausch – Jeroen Funke zeichnet bei uns, Ferdinand Lutz bei Brul. Natürlich gibt es wieder einen Song und dem Illustrator Tom Eigenhufe haben wir eine Doppelseite zur freien Verfügung gegeben. Ja, und das Cover kommt von unserem großen Helden Marc Boutavant.

(AJ) Wird es Polle 3 auch geben?

 (JH) Wie gesagt, wenn Polle 2 gut geht, dann auf jeden Fall. Wir haben große Lust.

(AJ) Vielen Dank und viel Erfolg!

(JH) Danke auch!

Die Polle Macher Dominik Müller, Jakob Hoffmann und Ferdinand Lutz.
Die Polle-Macher Dominik Merscheid, Jakob Hoffmann und Ferdinand Lutz.
Kurz-Infos zum Festival:
Termin: 30.08. – 01.09. 2019
Der Eintritt ist für Kinder frei! 
Workshops mit Comic-Autor/innen:
Sa 14 – 16 Uhr + So 12 – 14 Uhr,  Lesungen: Sa 13 – 18  Uhr + So 12.30 – 16 Uhr
 

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