Shooting Ramirez: Ein ganz großer Spaß!

Durchgeknallt, rasant, brutal und auch noch witzig – das ist Shooting Ramirez. Endlich mal wieder ein Comic, der in bester Pulp-Fiction-Manier unterhalten will. Kein Coming-of-irgendwas, sondern  einfach ein ganz großer Spaß. Ein Überraschungshit von dem bislang noch relativ unbekannten Nicolas Petrimaux. Zuletzt hat der Franzose Videogames entwickelt und beim Splitter-Verlag einen zweiteiligen Zombie-Comic verlegt. Jetzt also die Geschichte eines unscheinbaren Staubsauger-Reparateurs, der in Wahrheit vielleicht der übelste Killer ganz Mexicos ist?

Killer oder Staubsauger-Experte? Shooting Ramirez ©2019 VERLAG SCHREIBER & LESER

Dass ein Comic mich gleich zu Beginn einfängt, wie ein packender Spielfilm, passiert äußerst selten. Zuletzt hatte ich dieses Erlebnis vielleicht bei Blacksad. Jetzt also Shooting Ramirez. Eine Kaffeemaschine in der ersten Szene, ein Verhör, ein qualmender Tatort. Schon nach den ersten Bildern bin ich mittendrin in der Geschichte.

Das Verhör, Shooting Ramirez Seite 6 ©2019 VERLAG SCHREIBER & LESER

Ein Comic wie ein Film

Szenenwechsel: Die Zentrale von Robotop – eine Staubsaugerfirma. Jack Ramirez ist dort die Allzweckwaffe. Der stumme Experte wird gerufen, wenn keiner mehr weiter weiß. Er repariert auch die aussichtslosesten Fälle. Was ihn nicht davor bewahrt, von seinem Vorgesetzten regelmäßig zur Sau gemacht zu werden.

Der unscheinbare Jack. Shooting Ramirez Seite 25 ©2019 VERLAG SCHREIBER & LESER

Doch der stumme Jack mit seinem traurigen Blick hat offenbar ein schwer wiegendes Geheimnis. Auch ohne den Klappentext zu lesen, wird einem das schnell klar. Ist Ramirez in Wahrheit ein Auftragskiller? Was hat die Mafia damit zu tun? Und welche Rolle spielen die beiden flüchtigen Frauen Chelsea Tyler und Dakota Smith, von denen sogar in den Fernsehnachrichten die Rede ist?

Ramirez ist als Staubsauger-Nerd leider oft zur falschen Zeit am falschen Ort. Als Killer verhält es sich bei ihm genau umgekehrt. Wenn er denn der Killer ist… Geschickt verwebt Autor Petrimaux die beiden Ebenen. Er läßt vieles im Ungefähren und baut am Ende noch einen echten Cliffhanger ein.

Miami Vice trifft Pulp Fiction

Der Comic wirkt, als hätte Quentin Tarantino eine neue Folge von Miami Vice gedreht. Szenen und Farben wechseln rasant. Die Dialoge wirken aus dem Leben gegriffen und erklären nichts, was der Leser nicht auch ohne sie verstehen würde. Und immer wieder passiert etwas Überraschendes. Dass die einzelnen Kapitel durch stilecht gestaltete Werbeseiten unterbrochen werden, um für Bier, Autos oder den neuen Vacuumizer 2000  zu werben – ist einfach nur genial und macht Spaß.

Chelsea Tyler und Dakota Smith ©2019 VERLAG SCHREIBER & LESER

Der Verlag Schreiber & Leser hat hier einen Glücksgriff getan. Selten habe ich mich so auf die Veröffentlichung des Folgebandes gefreut! Auf meiner persönlichen Hitliste hat der Comic das Zeug zur bisherigen Nummer eins des Jahres. Einfach Großartig!

Foto-Shooting beim Comic-Festival München. AJ als Jack Ramirez. Foto: Filipe Tavares

5 von 5 Comic-Denkblasen

Informationen zum Buch: Shooting Ramirez. Autor/Zeichner: Nicolas Petrimaux. Hardcover, farbig, 144 Seiten. Verlag: Schreiber & Leser. 24,80€

Einen großartigen Trailer zum Comic gibt es hier: http://www.shooting-ramirez.de/trailer/

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