Illustrierte Entdeckungsreise: Die Abenteuer des Alexander von Humboldt

250 Jahre alt wäre der berühmte Wissenschaftler Alexander von Humboldt (1769 – 1859) in diesem Jahr geworden. Seine Vorstellungen von der Natur und sein Denken sind prägend gewesen, für Generationen von Forschern. Die preisgekrönte Humboldt-Expertin Andrea Wulf hat jetzt gemeinsam mit der Illustratorin Lillian Melcher ein Buch veröffentlicht, dass auf eine andere Art Einblicke gibt in Leben und Arbeit des größten deutschen Naturforschers.

Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 98-99
Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 98-99. © C.Bertelsmann Verlag München

Dieses Mal ist es kein Buch, das im fortlaufendem Text geschrieben ist. Collagenartig nähert sich das Paar Wulf/Melcher dem Thema. Fast schon im Stile eines Comics werden die Abenteuer des Alexander von Humboldt präsentiert. Ungewöhnlich für Wulf, die für ihr Buch Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur bereits eine Menge an internationalen Preisen gewonnen hat. Unter anderem bekam es den Los Angeles Times Book Prize 2016 und es ist eines der 10 Best Books of 2015 der New York Times.

Neue Herausforderungen für die Autorin

Gemeinsam mit Lillian Melcher ist die Autorin nun also einen anderen Weg gegangen und hat ihr Thema auf eine völlig andere Weise umgesetzt. „Das Spannendste für mich war, dass ich mit Lillian Humboldt noch mal aus einer völlig anderen Perspektive kennenlernte“, sagt Andrea Wulf. Und so ist ein Buch entstanden, in dem die Illustratorin der Autorin neue Herausforderungen stellte. Etwa wollte sie genau wissen, wie Humboldt seine Messgeräte hielt, als er die Höhe eines Berges mit seinem Barometer maß oder die Inklinationsnadel nutzte, um Magnetismus zu messen. Und so musste Wulf konkrete Angaben nachliefern.

Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 246-247
Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 246-247. © C.Bertelsmann Verlag München

Erzählt wird Humboldts berühmte Südamerikaexpedition (1799-1804). Auf der Grundlage seiner eigenen Tagebuchaufzeichnungen, die erst vor kurzem zugänglich gemacht wurden. Die New Yorker Illustratorin Lillian Melcher überschreitet dabei oft die Grenze von der Illustration hin zum Comic. Mir persönlich fällt in diesem Zusammenhang Am liebsten mag ich Monster von Emil Ferris ein. Vor allem, weil beide Zeichnerinnen keine Panelgrenzen kennen. Wenngleich die Nähe zum Comic bei Ferris ungleich größer ist. Nicht nur, weil deren Buch bei einem Comicverlag erschienen ist.

Zwischen Comic und Illustration

Die Künstlerin Melcher arbeitet zwar auch mit Sprechblasen, setzt in der Regel aber auf Bildcollagen, die gerne über zwei Seiten hinweg angelegt sind. So hat der Leser den Eindruck, selbst eine Art Entdeckungsreise zu machen, wie Humboldt seinerzeit selbst. Vielleicht auch, weil die Buchmacherinnen Karten, Stiche und Illustrationen aus Humboldts eigenen Büchern genutzt haben.

Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 6-7
Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 6-7. ©C.Bertelsmann Verlag München

Wer bisher noch keinen Zugang zu dem berühmten Forscher gefunden hat, kann sich hiervon überraschen lassen. Die Art der Darstellung ist auf jeder Seite neu und lädt dazu ein, den Blick schweifen zu lassen. Überall gibt es eine Vielzahl an Details zu entdecken.

Entstanden ist so eine Art Bilderbuch für Erwachsene. Ein Werk, in dem man schmökern und einfach hin- und herblättern kann – oder das man von vorne bis hinten durchgehend liest. Und so nicht nur einen Eindruck bekommt, von der sicherlich mehr als beschwerlichen Reise damals – sondern auch davon, was Alexander von Humboldt selbst für ein Mensch war.

Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 88
Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, Seite 88-89. ©C.Bertelsmann Verlag München

4 von 5 Comic-Denkblasen

Angaben zum Buch: Die Abenteuer des Alexander von Humboldt. Autorin: Andrea Wulf/Illustrationen Lillian Melcher. Hardcover, farbig. 272 Seiten. C. Bertelsmann Verlag München. 28,-€

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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