Auf einen Kaffee mit: Ingo Römling

Einer der vielbeschäfigten und erfolgreichen deutschen Comiczeichner ist der ehemalige Frankfurter Ingo Römling. Beim Splitter-Verlag läuft seine Malcolm Max-Reihe äußerst gut, zudem arbeitet er für Panini an verschiedenen Heften. Vor einigen Monaten ist Ingo aus der Bankenstadt am Main in die Hauptstadt an der Spree gezogen. Grund genug zu fragen, wie es ihm dort so geht.

Ingo Römling
Ingo bei der Arbeit. ©Ingo Römling

(AJ) Lieber Ingo, Du bist vor einer Weile von Frankfurt nach Berlin gewechselt. Wie hast Du Dich eingelebt und warum hast Du die Mainmetropole verlassen?

(IR) Ja, seit etwa anderthalb Jahren bin ich ein Berliner! Es geschah der Liebe wegen, meine Freundin und ich sind zusammengezogen. Wir haben Glück gehabt und eine tolle Wohnung im Berliner Osten aufgetan. Es ist einfach wunderschön, ich fühle mich total wohl hier.
Neulich war ich wieder mal für ein Wochenende zu Besuch in Frankfurt und bin durch meine alte Hood geschlendert, hab Ekki im T3 besucht. Ja, ein bißchen wehmütig war ich da auch. Aber alles gut.

(AJ) Wie eng ist der Kontakt zu der Berliner Zeichnerszene?

(IR) Ich bin eigentlich nie besonders aktiv in irgendwelchen Communities gewesen, aber das will ich eigentlich ändern. Wenn ich nun schon in Berlin wohne, der Stadt der Kreativen! Mit Naomi Fearn, Sascha Wüstefeld und Marvin Clifford bin ich gut befreundet. Ansonsten trifft man sich halt so auf verschiedenen Events oder auch mal spontan. Es gibt schon echt verdammt viele talentierte Leute hier. Eigentlich kommt bei jedem Treffen jemand neues dazu…

(AJ) Du arbeitest an dem vierten Band von Malcolm Max. Worum wird es dieses Mal gehen und wann können die Fans mit dem Album rechnen?

(IR) Ja, es ist wieder eine Menge los im Hause Malcolm Max. Eine unbekannte Frau taucht auf und raubt mit ihrem merkwürdigen Verhalten Charisma den letzten Nerv, ein kostümierter Rächer segelt mit einem Flugapparat über das nächtliche London, die Irrenanstalt füllt sich mit verwirrten jungen Mädchen, die anscheinend nur noch einen einzigen Satz auf Latein stammeln können, und in der Kanalisation trifft Malcolm auf einen brutalen und übermächtigen Gegner aus einer anderen Dimension. Und irgendwie hängt das Ganze natürlich wieder zusammen. Das Album wird „Blutrausch“ heißen und erscheint März 2019 bei Splitter.

(AJ) Auch im Ausland hast Du damit Erfolg. In welchen Ländern gibt es Malcolm Max zur Zeit überhaupt?

(IR) Außer in Deutschland ist Malcolm Max bisher in Polen bei Scream Comics und in Schweden bei Ades erschienen. Ich habe den Eindruck, dass dort gerade der Comic-Markt im Aufwind ist. Serien aus dem europäischen Ausland waren dort bisher wenig populär, aber das scheint sich gerade zu ändern. Das Interesse ist groß!

(AJ) Auch für Panini bist Du unterwegs. Was gibt es da für Neuigkeiten?

Malcolm Max
Zur Zeit arbeitet Ingo am vierten Malcolm Max-Band. ©Ingo Römling

(IR) Zur Zeit arbeite ich neben „Malcolm Max“ an zwei Serien für Panini.  Als sich das Ende von „Rebels“ langsam ankündigte, habe ich mich sofort für ein Nachfolgeprojekt angemeldet. Eigentlich hatte ich damit gerechnet bzw. gehofft, dass ich wieder für eine „Star Wars“ Serie eingesetzt würde, aber überraschender-weise kam vorher … Guillermo del Toros „Trollhunters“!

Ich kannte die Serie gar nicht, obwohl zu dem Zeitpunkt bereits die dritte Staffel im Fernsehen lief. Ich hab mich mit den Figuren vertraut gemacht und mir die erste Staffel angeschaut. Die Serie ist ziemlich lustig, ein bißchen Fantasy-Satire und ein paar Parallelen zum „Hellboy“-Universum, echt klasse, gefiel mir gut. Außerdem war Alec Worley wieder mit am Start, mit dem ich schon bei „Rebels“ zusammen gearbeitet hatte. Ich sagte also zu. Und Bumm. Gerade mal 2 Wochen später fiel der Startschuss für „Star Wars Resistance“ – da war mein ersehntes Star Wars Folgeprojekt nach „Rebels“, auf das ich gewartet hatte. Und dann bekam ich auf einmal eine geheimnisvolle E-Mail aus dem Lucasfilm-Headquarter mit Zugangsdaten für eine interne Datenbank… krass. Ich hatte Zugang zu allen Designs – Szenerien, Gebäude, Figuren, Fahrzeuge, einfach alles. Tja, und jetzt sitze ich hier und arbeite an drei Serien gleichzeitig.

Um den Workload zu packen, mache ich nur noch die Inks. „Trollhunters“ wird von Tanya Roberts coloriert, bei „Resistance“ steht noch nicht fest, wer die Farben übernimmt. Bei „Malcolm Max“ hilft mir die Berliner Illustratorin Lew Bridcoe bei der Grundcolorierung, ich mache da nur den letzten Schliff.

Star Wars
Zitat Ingo: 3rd part of „Smuggler‘s Run“ out in Germany! Boring! No action! 🔫©Ingo Römling

(AJ) Fällt es Dir leicht, zwischen den doch unterschiedlichen Themen hin und her zu switchen?

(IR) Es ist nicht ganz einfach, zugegebenermaßen!
Jedes Projekt hat seinen eigenen Erzählstil. Ich würde sagen, ich pendle da beim Zeichnen zwischen „cartoony“ und „semi-realistisch“. Bei „Trolljäger“ sind die Zeichnungen eher rund, mit weniger Details und mehr auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Ich hab mir viele Tuschesachen von den klassischen Disney-Comics angesehen, wie dort die Zeichner die Panels komponieren, zum Beispiel Daniela Vetro, die ist fantastisch.
„Resistance“ ist etwa Teenager-Alter, vom Stil der Figuren vergleichbar mit „Rebels“, allerdings sind die neuen Figuren-Designs mit ihrer Anime-Ästhetik unglaublich detailliert – ich bin ganz schön am Schwitzen. Da gibt es zum Beispiel die „Ace Squadron“, eine Fliegerstaffel, die so Anzüge tragen, die ein bisschen an Motocross-Kombis erinnern. Knallbunt, voll mit Abzeichen, hier gesteppt, da gepanzert, hier ne Tasche, da ein Reißverschluss. Fünf verschiedene Typen, jeder hat ne andere Farbe. Green Ace, Red Ace, Black Ace, Yellow Ace, Blue Ace.

Draal
Eine Trollhunter-Figur. ©Ingo Römling

Die Anzüge sind farblich mit den Fightern und auch den Droiden abgestimmt. Ich muss immer noch ständig auf die Spec-Sheets gucken, wie war der Kragen da nochmal, was für ein Logo war das auf der linken Schulter, wie ging die Frisur, hatte der Kerl jetzt einen Bart oder nicht… und wieder viele Droiden, Droiden, Droiden. Auch hier benutze ich wieder 3D-Modelle für alles Technische, und die muss ich ja auch erstmal bauen. Haha! Aber es macht wie immer Spaß und ich lerne immer wieder was dazu.
„Malcolm Max“ ist vom Zeichenstil noch realistischer. Auch das Format ist größer, mehr Panels pro Seite, viel verspielte Hintergründe, verzierte Möbel, schnörkelige Hausfassaden. Aber hier darf ich mir ja auch ein bißchen mehr Zeit lassen als bei den Panini-Serien.

(AJ) Was sagst Du dazu, dass mit Flix und Mawil jetzt zwei Berliner Zeichner zwei francobelgischen Klassikern neues Leben einhaucht?

(IR) Finde ich toll! Davon träumt doch jeder Comiczeichner. Also allein schon die Tatsache, dass ein renommierter Verlag aus dem frankobelgischen Raum auf dich zukommt und dich autorisiert, die Figuren, die du als Kind aus purer Begeisterung abgemalt hast, nun offiziell zu zeichnen… an einem Figurenuniversum mitzuarbeiten, das nicht nur seit vielen Jahren erfolgreich ist, sondern auch von Zeichengöttern wie Morris, Yoann, Jijé oder Franquin gestaltet wurde… Wahnsinn. Ritterschlag. Glückwunsch an Flix und Mawil.

(AJ) Wäre das auch etwas für Dich? Was würdest Du gerne mal zeichnen?

(IR) Spontan aus der Hüfte? „Valerian“. Das würde mir gefallen.

(AJ) Was können wir nach Malcolm Max von Dir erwarten?

(IR) Noch mehr „Malcolm Max“! Haha! Da haben wir auch noch ein paar Eisen im Feuer, es wird nächstes Jahr noch ein paar mehr Neuigkeiten geben. Ich bleibe erstmal bei den Serien, an denen ich gerade arbeite. „Trolljäger“ und „Star Wars Resistance“, damit ist mein Terminkalender erstmal voll.
Aber ich habe auf dem letzten Comicfestival in Lodz auch ein paar interessante Kontakte geknüpft und ein paar tolle Gespräche gehabt. Schaun wir mal!

(AJ) Vielen Dank!

(IR) Sehr Gerne!

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