Zurück in die Zukunft: Flash Gordon von Alex Raymond

Ich gebe es zu: mit Flash Gordon bin ich zum ersten Mal in Berührung gekommen, als ich die Musik von Queen hörte und den dazu gehörigen Film sah. Das war 1980 und ich genau zehn Jahre alt. Der Film begeisterte mich, doch die Comic-Strips waren mir damals noch völlig unbekannt. Wie gut, dass der Hannibal Kult-Verlag nun die Sonntagsseiten vom 01. Januar 1934 bis zum 18. April 1937 neu herausbringt. Das Buch ist ein Schmuckstück geworden und liefert neben den Zeichnungen auch einen schön gestalteten redaktionellen Teil mit vielen Informationen rund um Reihe und Autor.

Flash Gordon vom 05.08.1934
Flash Gordon vom 05.08.1934 ©2018 Hannibal Kult ©King Features Syndicate, Inc./Distr. Bulls

Flash – aha, Saviour of the Universe. Ich habe den Queen-Song noch immer im Ohr. Auch wenn ich die Zeichnungen ansehe und von einem Cliffhanger zum nächsten springe. Das Lesen der einzelnen Geschichten hat etwas Nostalgisches – nicht nur, weil der Plot altmodisch anmutet und die Zeichnungen einen Stil ausstrahlen, der klassisch und damit realistisch ist – und das bei all den phantastischen Welten und Figuren.

Der klassische Held

Der Held im Comic gefällt mir besser, als derjenige im Film. Der hatte für mich schon immer etwas Gekünsteltes an sich. Im Comic sehe ich das anders. Hier ist Flash Gordon ein klassischer Held, der in einer Reihe steht mit Hal Fosters Prinz Eisenherz. Im Gegensatz zu dem edlen Ritter aber, zu dem ich noch nie einen Zugang fand, bin ich bei Flash Gordon von der ersten Seite an gefesselt.

Natürlich sieht sich Flash Gordon in jeder Sonntagsfolge einer Herausforderung gegenüber. Er muss eine Schönheit oder wenigstens die Welt retten. Ausserirdische, Kometen oder unbekannte Flugobjekte stören den Frieden und Flash Gordon macht sich alsbald an die Arbeit, genau diesen wiederherzustellen. Ohne Superkräfte aber mit fast unmenschlichen Fähigkeiten gelingt es ihm natürlich immer, die Geschicke zu seinen Gunsten zu lenken.

Flash Gordon vom 18.10.1936
Flash Gordon vom 18.10.1936 ©2018 Hannibal Kult ©King Features Syndicate, Inc./Distr. Bulls

Im Pressetext zum eben erschienen ersten Teil der neu übersetzten Edition heisst es: „(Das Buch) dokumentiert die Jahre 1934 bis 1937, (es) entspricht in der Farbgebung den in den Dreißigerjahren erschienenen Sonntagsseiten und wurde gefühlvoll restauriert. Mit den eleganten und fantasievollen Zeichnungen strahlt sie die Magie der Frühzeit der Comic-Geschichte aus.“

Neue Welten

Und genau das ist es, was den Reiz dieser Veröffentlichung ausmacht. Als Leser bekomme ich ein Gefühl für die Aufbruchsstimmung der damaligen Zeit. Hier wurde etwas ausprobiert, was es vorher noch nicht gab. Alex Raymond hatte kaum Vorlagen, arbeitete aus dem Kopf heraus und entwarf Welten, die viele Generationen von Comicfans später noch beeindrucken sollten.

Angeblich soll Regisseur George Lucas geplant haben, Flash Gordon zu verfilmen. Und nur, weil es Probleme mit den Rechten daran gab, soll er sich dazu entschlossen haben, Star Wars umzusetzen. Was für eine Fügung…

Alex Raymond wiederum verfrachtete altbekannte Ritter-Szenarien in die Weiten des Weltraums. Er gilt mit seinen Arbeiten als einer der einflussreichsten Zeitungscomic-Autoren aller Zeiten. Deshalb wird der Hannibal Kult-Verlag nach und nach alle seine Flash Gordon-Abenteuer veröffentlichen. Geplant sind sechs Bände, die jeweils mehr als 200 Seiten stark werden.

Flash Gordon vom 31. Mai 1936
Flash Gordon vom 31. Mai 1936 ©2018 Hannibal Kult ©King Features Syndicate, Inc./Distr. Bulls

Freude von klassischen Serien kommen voll auf ihre Kosten. Flash Gordon auf dem Planeten Mongo versetzt den Leser in eine andere Zeit. Schickt ihn auf eine Reise zurück in die Zukunft. Selten hat dieser Titel besser gepasst.

4 von 5 Comic-Denkblasen

Angaben zum Buch: Alex Raymond/Don Moore: Flash Gordon. Auf dem Planeten Mongo. Die Sonntagsseiten 1934-1937. Hannibal Kult Verlag. Hardcover, Farbe. 208 Seiten. 35,-€

Vielen Dank an den Hannibal Kult-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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