Weekly – ein Blacksad Spin-off

Ich gebe es zu: Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an die Blacksad-Reihe herangetraut habe. Allerdings ist es mittlerweile etliche Jahre her, dass ich den ersten Band in die Hand genommen habe und dann doch sogleich absolut begeistert war. Ursprünglich hatte mich die Grundidee der mit Tierköpfen versehenen Figuren davon abgehalten, zu den Comics zu greifen. Doch längst wissen es nicht nur die Blacksad-Aficionados: Die Reihe ist einfach großartig. Umso besser, dass eine Nebenfigur jetzt eine eigene Geschichte bekommt: Weekly – ein Blacksad Spin-Off.
Tolle Zeichnungen, interessante Mimiken.
© Carlsen Verlag GmbH 2025

Der kleine Dustin schlägt sich so durch. Während er mit seiner Oma in einer kleinen heruntergekommenen Wohnung haust, schlägt er sich als Polizeifotograf durch. Statt in die Schule zu gehen, macht er Fotos von Ganoven und schnappt in der Wache allerhand Gossip auf. Doch weil er den Tratsch leider an die falsche Person weitergibt, landet er schon bald auf der Straße. Das hält den findigen kleinen Kerl natürlich nicht davon ab, den Polizeifunk abzuhören und einem Reporter wichtige Infos zu stecken. Klar, dass das alsbald auffliegt und ihn mitsamt seiner Oma in Schwierigkeiten bringt.

Die gute Sache? Welche gute Sache?

Wenn es nach ihr geht, soll Mrs. Lubansky die Rettung bringen. Die Pastorin vor Ort kämpft ihren Kampf gegen Schundliteratur – will Comics gegen Glaubensbücher tauschen. Könnte sein, dass wir hier eine Anspielung auf den Comics Code Authority sehen, eine in den 1950er Jahren in den USA eingeführte Zensurbehörde, denen u.a. Horrorcomics ein Dorn im Auge waren. Dustin – selbst leidenschaftlicher Comic-Liebhaber – muss sich im sogenannten Tugendgeschwader für die „gute Sache“ einsetzen. Während er bei ihrem Mann, Mr. Lubansky, dem Bestatter, jegliche Drecksarbeit verrichten darf.

Das Cover des Spin-Offs.
© Carlsen Verlag GmbH 2025

Parallel bewirbt Dustin sich bei den verschiedensten Zeitungsverlagen, landet schließlich bei Proper Comics und soll dort einen Fotoroman veröffentlichen. Logisch, dass er da vor allem mit seiner Oma Kämpfe austragen muss, die das Ganze überhaupt nicht gutheißt. Und genauso logisch, dass am Ende alles anders kommt, als es sich der gemeine Leser so vorstellt. Wer ist gut? Wer ist schlecht? Wo kommt auf einmal der Geheimdienst her? Und wieso ändert seine Oma auf einmal ihre Meinung und will ihre eigene Familiengeschichte als Comic veröffentlicht sehen – gezeichnet vom Mann ihrer lange verschollenen Schwester…

Comics? Schund, oder?

Weekly, eine Blacksad Storie, ist ein lustig, spannender Krimi-Noir, in der eine Figur die Hauptrolle bekommt, die wir in den bereits erschienenen Blacksad-Alben bisher als kleine Nebenfigur kennen. Sieben Alben sind es mittlerweile, in denen uns das spanische Team Juan Díaz Canales/Juanjo Guarnido mit den Krimis um Detektiv John Blacksad beglückt hat. Eine Menge Holz, bei der im Laufe der Jahre das Figurenensemble mit den Tierköpfen auf eine beachtliche Größe angewachsen ist.

Gossip? Oh jeh…
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Sammler von Comic-Figuren wissen, wovon ich spreche, denn mittlerweile kann man sich mehr als 20 Büsten aus der Serie ins Regal stellen. Eine der wichtigsten Nebenfiguren hat jetzt eben einen eigenen Spin-Off. Weekly (aka Dustin) nämlich, der Reporter, der dem Ermittler Blacksad mehr als einmal hilfreich und listig zur Seite gestanden hat und in der Hauptserie für das Klatschmagazin What´s News arbeitet. Dass dieses Boulevard-Magazin aus den Proper Comics hervorgegangen ist, erfahren wir am Ende des Bandes.

Anderes Team als bei der Hauptreihe

Blacksad-Szenarist Juan Díaz Canales meint im Interview mit der Fan-Seite Blacksadmania: »Wir wollten wissen, woher Weekly kommt und warum er Journalist wurde. Dank seines Jobs und seines Charakters ist er mit die spannendste Nebenfigur.« Aber weil das Team Canales/Guarnido mit der Hauptserie gut ausgelastet ist, wurde das Artwork im Spin-Off von Giovanni Rigano übernommen, der offenbar von Canales Ehefrau Teresa Valero vorgeschlagen wurde und dessen Arbeit das Team nach wenigen Testseiten überzeugt hat.

Bitte lächeln!
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Zeichnerisch ist der Band gewohnt eindrucksvoll – trotz des anderen Künstlers. Die Charaktere ausdrucksstark, die Perspektiven passend, die Seitenarchitektur vielleicht etwas zu konservativ. Aber das nimmt man gerne hin, denn es gibt viel zu gucken, es lohnt sich das wiederholte Lesen – alleine die unterschiedlichsten Ausdrücke der Pastorin lohnen. Und natürlich der Blick auf Weekly selbst, das sympathische Schlitzohr.

Absolut überzeugend

Ob es weiter Spin-Offs zu anderen Nebenfiguren geben wird, bleibt zunächst offen. Potential sieht das Team in jedem Fall, etwa in der Figur von Smirnoff, dem höheren Polizeibeamten und Freund von Blacksad. Vorkenntnisse sind beim Lesen des Albums hilfreich, die Künstler aber versprechen, der Band sei auch ohne die bisherigen Bücher zu verstehen. Wer Weekly gelesen hat, dürfte den Wunsch verspüren, weitere Nebenfiguren in einer Hauptrolle zu erleben. Ausschlag dürfte sicherlich auch der Verkaufserfolg geben.

Das gibt Ärger mit Oma.
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Angaben zum Buch: Blacksad Stories: Weekly | Text: Juan Díaz Canales Zeichnungen: Giovanni Rigano. Carlsen | HC | Farbe |  64 Seiten | 18 Euro

Hier geht zum Verlag: Carlsen

Und hier gibts noch mehr Besprechungen zu Blacksad: Wenn alles fällt

 

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