Die Comic-Welten des Michael Apitz

Wie viele von Euch wissen, haben Michael Apitz und ich vor ein paar Jahren eine Gesamtausgabe von Karl – der Spätlesereiter veröffentlicht. Ende der 1980er Jahre hatten Michael sowie Patrick und Eberhard Kunkel die Idee zu dem „deutschen Asterix“, der auch heute noch eine große Fangemeinde hat. Aber Michael hat über die Jahre natürlich noch viel mehr Comics gemacht. Eine Ausstellung in der Volksbank in Groß-Gerau zeigt jetzt einen Ausschnitt davon. Und zur Ausstellungseröffnung durfte ich die Laudatio halten. Hier könnt Ihr sie in Teilen nachlesen: Die Comic-Welten des Michael Apitz.
Kein Kommentar…
©Foto: Thomas Gottfried

Als Michael 1988 anfing „professionell“ Comics zu machen, da hatte es das Genre noch deutlich schwerer als heutzutage. Und was die Auflagen anging, da kämpfte man sich so ab. Es sei denn, man war Asterix. Oder auch Micky Maus und Donald Duck – die in hohen Auflagen gedruckt und verkauft wurden.

Der „deutsche Asterix“

Umso erstaunlicher, dass der Comic, den Michael damals machte, gemeinsam mit seinem Freund Patrick Kunkel und dessen Vater Eberhard – dass dieser Comic also über eine Strecke von zwölf Alben hinweg, fast eine Million Alben verkaufte. Unfassbar – nach damaligen und auch heutigen Maßstäben. Und noch unfassbarer, wenn man weiß, dass der Comic sich vor allem im Rheingau so gut verkaufte – im Rest der Republik eigentlich überhaupt nicht – es fehlte auch schlichtweg der Vertrieb.

Ei gucke mal da…
©Foto: Thomas Gottfried

Kein Wunder, dass „Karl, der Spätlesereiter“, wie die Comicreihe nach ihrer Hauptfigur hieß, ziemlich schnell den Beinamen „Der deutsche Asterix“ bekam. Und das war nicht nur auf die Verkaufszahlen bezogen.

Denn auch zeichnerisch erinnerten sich manche beim Blick auf Michaels Arbeiten an den großen Zeichner Albert Uderzo. Auch wenn dieser Vergleich vermutlich hinkt: Das Setting war eines, wie es vielleicht auch in Frankreich oder Belgien funktioniert hätte. Ein netter, gutaussehender Held, Karl nämlich. Ein Freund, eine Freundin und natürlich ein böser Widersacher. Die Abenteuer im Rheingau verankert, eine alte Legende aufgreifend, eine Idee von Eberhard Kunkel – und schon fing man an, rheinauf, rheinab, Geschichten zu erzählen, die eigentlich immer: Geschichte aufgriffen. Ob eben die Entstehung der Spätlese, die Sektherstellung, die französische Revolution oder auch die Loreley.

Geschichten mit Geschichte

Interessanterweise hatten die drei Macher mit Comics vorher gar nicht so viel am Hut. Michael und Patrick hatten zusammen bei der Schülerzeitung gearbeitet und danach eine Art Jugendmagazin gemacht. Michael konnte schon immer gut zeichnen und so fing man an, zu überlegen, was noch alles möglich sei. Die zündende Idee hatte dann in der Tat Eberhard Kunkel, geschichtsinteressiert und belesen. Und so machte man ganz einfach einen ersten Comic – im Familienbetrieb sozusagen – und: Im Eigenverlag. Wenn schon, denn schon.

Man muss aus heutiger Sicht sagen: Das ganze Konzept war irgendwie kongenial, (obwohl die drei eigentlich gar kein richtiges Konzept hatten) denn die heimischen Winzer verkauften den Comic in den Weinschänken. Michael und Patrick fuhren die Bücher selbst aus. Und auch die Buchläden wurden beliefert. Alles sehr regional und alles sehr erfolgreich.

Prominenter Besuch…
©Foto: Stefan Gerhardt

Die Ideen zu neuen Karl-Geschichten gingen den dreien auch erstmal nicht aus. Und wie beim großen Vorbild Asterix auch, baute Michael immer schon gerne Prominente aus der Region oder aus Funk und Fernsehen in die Reihe ein. Der kleine Eigenverlag wurde mittlerweile immer größer. Man druckte auch Nebenprodukte, den Rheingauner etwa – Gedichte, die Michael mit einer ursprünglich als Werbefigur gedachten Persönlichkeit illustrierte.

Kein Konzept und doch Erfolg

Es gab dann auch französische, englische und japanische Karl-Ausgaben und sogar eine walisische Ausgabe wurde produziert. Und: Karl-Krimis. Geschrieben von Eberhard Kunkel. Ich könnte noch eine Menge mehr aufzählen, sogar ein Karl-Musical gab es einst – aber natürlich hieß das nicht Musical – sondern Musikarl!

Als Laudator vor vollem Haus.
©Foto: Stefan Gerhardt

Aber wie das dann irgendwann so ist: Man will sich neu orientieren. Die Luft und Lust ist raus. Die Wege trennen sich. Und so kam es zu einem legendären Abend in einer örtlichen Pizzeria, in der Patrick zu Michael sagte: Wir müssen reden.

Interessanterweise hatten beide Redebedarf. Der eine – Patrick nämlich – wollte sich mehr auf seine politische Karriere konzentrieren (wie viele wissen: Patrick wurde dann Bürgermeister von Eltville – und ist es immer noch), der andere wollte sich mehr der „richtigen“ Kunst widmen – der Malerei nämlich. Und so ging man einvernehmlich auseinander und alle ihrer Wege. Doch so ganz konnte oder wollte Michael die Sache mit den Comics doch nicht lassen.

Vom Karl zur Eintracht

Wir machen einen Sprung: Hin zu den Eintracht-Comics. Hierüber haben Michael und ich uns überhaupt erst kennengelernt. Denn als er 2016 einen Sammelband herausgebracht hat, habe ich darüber im HR berichtet – er legte mir nen alten Karl vor, ich meinte: Lust auf ne Gesamtausgabe? Und so nahm das Ganze seinen Lauf.

Aber jetzt also zu den Eintracht-Comics: Der letzte Karl-Band wurde 2004 veröffentlicht. 2005 kam es zu dem besagten Treffen in der Pizzeria, in der man sich entschied, die Comics sein zu lassen.

Der Künstler und seine Comics
©Foto: privat

Aber Michael wäre nicht Michael, wenn er nicht doch weitergemacht hätte. Aber eben anders. Der bekennende Eintracht-Fan fing schon 2007 an Spieltags-Comics für das Stadionheft zu zeichnen. Und „Schuld“ daran ist Michaels Neffe. Der jobbte nämlich zu der Zeit bei der SGE, als die die Idee entwickeln, solche Comics haben zu wollen. Und so kommt er schnell ins Gespräch und noch schneller ist man sich einig.

Von Spieltag zu Spieltag

Fünf Jahre lang erscheint dann zu jedem Heimspiel die Seite „Im Adler-Olymp“. Die Fans lieben die Seite, aber der Verein hat irgendwann genug. Also: Eintracht-Comics am Ende? Keineswegs. Denn kurz darauf kam die Frankfurter Rundschau auf Michael zu. Und so zeichnet er also weiter mit leichtem Strich und erkennbar karikierend das fußballerische Tagesthema aus Sicht eines Eintracht-Fans – mittlerweile sieht man die Comics natürlich immer rechtzeitig vor Spielbeginn im Netz.

Über seine Eintracht-Comics haben wir uns kennengelernt.
©Foto: Alex Jakubowski

Seinen Lebensunterhalt verdient Michael übrigens längst mit seiner Malerei und mit Auftragsarbeiten. Seine Entwürfe für den Mainzer Carnevals-Verein werden regelmäßig umgesetzt – aber natürlich ist auch das „nur“ ein Nebenerwerb.

Wenn er jetzt so zurückblickt, so muss er sich selbst wohl verwundert die Augen reiben. Als Autodidakt so einen Erfolg. Erst mit dem Karl, dann mit der Eintracht und seiner Malerei.

Nur ein einziger Wunsch blieb ihm bis heute leider immer versagt. Nämlich, dass die Chefs des großen FC Bayern München bei ihm anrufen, um zu fragen, ob er nicht auch für sie Fußball-Comics zeichnen könne. Nur damit er dann sagen kann: Nein!

Noch mehr zu Michael findet Ihr auf meinem Blog hier: https://comic-denkblase.de/?s=Apitz
Und Infos zu Michaels Kunst gibt es hier: https://www.apitz-gallery.com/
Die Ausstellung ist noch bis zum 23. April 2026 zu sehen.

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