Der Kölner TASCHEN-Verlag macht weiter mit der Neuveröffentlichung von Comic-Klassikern. Nach zahlreichen Büchern zu Superhelden, Disney-Charakteren oder Pionieren des Comics ist es jetzt Hal Fosters Tarzan, der im großen Format neu erscheint. Aufmachung und Inhalt sind von gewohnter Qualität. Wie schon bei den anderen erwähnten Büchern wurden die Comics aus den Originalzeitungen reproduziert und die Farben der klassischen Comics beibehalten. Anlässlich der Veröffentlichung habe ich den Tarzan-Experten überhaupt – Detlef Lorenz – um eine Einordnung gebeten: Tarzan – The Complete Sunday Comics.

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(Alex Jakubowski) Lieber Detlef, nach vielen Büchern zu Superhelden oder Disney-Comics widmet sich der Taschen-Verlag auch Hal Fosters Tarzan. Überfällig aus Deiner Sicht?
(Detlef Lorenz) Nachdem uns der Taschen-Verlag in der Vergangenheit mit überdimensionalen sogenannten „Coffeetable Comic Books“ verschiedenster Provenienz beglückt hat, ist in diesem Jahr der wohl unsterbliche Dschungelheld Tarzan an der Reihe. Das Buch besticht und überragt allein durch seine schiere Größe alle anderen Neuausgaben diverser Verlage. Wieso grade Tarzan? Es gibt aktuell kein Jubiläum, welches gefeiert werden müsste. Zudem ist es grade mal einige Jahre her, dass die Tarzan-Sonntagsseiten-Edition im Hardcover Überformat 1931 bis 1950 des BOCOLA Verlages auf dem Markt erschienen ist. Für mein Empfinden ist aber im Grunde jede Neuausgabe eines Tarzan-Comics, oder -Buches, ein Meilenstein für das Nichtvergessen dieses inzwischen über 110 Jahre alten Heroen.

Gezeigt werden die Sonntagsseiten – inwiefern hatten diese Seiten eine besondere Bedeutung?
Zeitungscomics im sogenannten Sonntagsseitenformat sind in der Regel ein Ausdruck für den Erfolg eines Titels. Meist erscheint ein neuer Comic in den amerikanischen Zeitungen zuerst als Strip. Also Montag bis Samstag als einzeiliger Streifen und zudem im sogenannten schwarz/weiß. Kommt dieser beim Publikum gut an, folgt fast immer ein bunter, vierfarbiger und großformatiger halb- oder sogar ganzseitiger Comic in den Sonntagsbeilagen. Der Tarzan-Comic musste gut zwei Jahre im Daily-Format verbringen, bevor er als farbige Sonntagsbeilage in die Comicsektionen Einzug hielt.

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Hat Foster eigentlich auch wochentägliche Strips gemacht, die sogenannten Daylies?
Foster wurde ursprünglich angeworben um Tarzan als (Zeitungs-) Comic zu etablieren. Nachdem er den ersten Roman, Tarzan of the Apes (Tarzan bei den Affen) sehr gelungen in das andere Medium transferiert hatte, wendete er sich von den Comics ab – Werbung war lukrativer – um später doch wieder zurückzukehren. Er löste den glücklosen Rex Maxon ab, dessen Sonntagsseitenversion bei Edgar Rice Burroughs völlig durchfiel. Foster hätte nun sicherlich für den Rest seines Berufslebens Tarzan als Broterwerb ausüben können, aber sein Streben ging in eine völlig andere Richtung: einen eigenen Strip texten und zeichnen zu können. Sein Streben ging da in die Zeit des frühen Mittelalters und zum Prinzen Eisenherz (Prince Valiant). Seine Reputation, die er sich mit den Tarzan Sonntagsseiten erworben hatte, ermöglichte es ihm, nicht erst den Umweg über die Daylies gehen zu müssen, er erhielt sofort den Platz einer Sunday Page.

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Kannst Du mal einordnen, welche Bedeutung Foster mit seinem Tarzan in der Comic-Welt hat?
Für die Tarzan-Comic-Welt bedeutete der erste Foster Strip schon einen Markstein, der Tarzan bildlich etablierte. Den Rang als bedeutendsten Künstler machen ihm später mindestens zwei Nachfolger streitig: Burne Hogarth, der den Strip übernahm und der die Wildheit der Buchvorlage kongenial interpretierte. Sowie Russ Manning, der in die Romanwelt Burroughs tiefer eintauchte und sie mit seiner Präsentation des Umfeldes, der Familie und der Handlungsorte mit einbezog. Grafisch mit Foster sicherlich gleichrangig sind die Versionen von Bob Lubbers, John Celardo und vielleicht noch Thomas Yeates.

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Du beschäftigst Dich ja seit Jahrzehnten mit dem Thema: Wie häufig liest Du noch Tarzan – einfach so zum Spaß?
Tarzan im Comic und im Film haben mein Verhältnis zum Inhalt in meiner Kindheit der 1950er Jahre tief geprägt; später kamen noch die Romane dazu. In der Comicszene wurden diese meine Vorlieben rasch bekannt. Vorträge, Artikel, Ausstellungen, Bücher und diverses weitere waren Auswirkungen und hielten mich immer mit dem Genre beschäftigt. Ich lese noch immer gerne vor allem neue Comics, aber auch neue Romane, die immer mal wieder erscheinen und die ich mir aus Interesse und zum Spaß zu Gemüte führe. Gerne nehme ich auch älteres Material einfach in die Hand, blättere drin herum, schaue es an und genieße es.

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