Pfälzer Comic-Salon Gönnheim

Am Wochenende fand der vierte Pfälzer Comic-Salon in Gönnheim statt. In dem kleinen Dorf in der Pfalz haben sich erstaunlich viele spannende Comic-Künstler:innen eingefunden. Und nachdem ich vor vier Jahren hier auf der Comic-Denkblase über den Start des Festivals geschrieben habe, war ich tatsächlich diese Jahr zum ersten Mal dort. Ich kann nur sagen: Es lohnt sich. Fahrt nächstes Mal einfach auch hin – zum Pfälzer Comic-Salon Gönnheim.
Klein, aber fein…
© Foto: Alex Jakubowski

Wie? Schon wieder Comic-Salon? Ja, aber nicht in Erlangen, sondern knapp neben Ludwigshafen-Oggersheim. Eine gute Stunde Autofahrt von Frankfurt am Main aus. Im gemütlichen Örtchen Gönnheim. Umgeben von Weinbergen, oder eher Weinfeldern, hat sich hier Anfang Juli ein kleiner Teil der Comic-Szene getroffen. Mit dabei etwa: Ingo Römling, Thierry Capezzone, Mawil, Peter Puck oder auch Hanna Wenzel.

Comic-Salon ist nicht gleich Comic-Salon

Natürlich fahren wir erstmal in den Ort hinein. Kurz vor dem Zentrum ist die Straße gesperrt. Pavillons sind aufgebaut, es wird Wein ausgeschenkt. Von einem Stand weht der Duft frisch gebackener Crêpes zu uns herüber. Und auf der Straße knien Künstler – malen Bilder auf den Asphalt. Das WineStreetArt-Festival findet parallel statt.

Eines der vielen Street-Art-Motive…
© Foto: Alex Jakubowski

Natürlich gucken wir den Künstler:innen zu, die mit Kreide und anderen Materialien ihre Motive auftragen. Hier ein Asterix, dort ein Superman, oder auch etwas ganz anderes, was nichts mit Comics zu tun hat. Es ist beschaulich in Gönnheim, keine Kirmesmusik, die einem auf die Nerven geht. Sehr angenehm!

Wo ist der Salon?

Allein: Vom Pfälzer Comic-Salon keine Spur. Wir haben uns von der Absperrung und den Pavillons in die Irre führen lassen. Denn das Festival findet in der Turnhalle der Gemeinde statt. Ein paar hundert Meter vom Zentrum entfernt. Aber kein Problem, die Entfernung ist ja machbar – also auf zur Halle.

Die Turnhalle ist der zentrale Festival-Ort
© Foto: Alex Jakubowski

Ein bisschen erinnert die Szene an das Festival im luxemburgischen Contern. Auch da dient eine Turnhalle als HotSpot der Zeichner und drumherum bieten die Händler in ihren Zelten und Pavillons alles, was das Comic-Sammlerherz begehrt. In Gönnheim aber ist alles nochmal ein bisschen kleiner, familiärer.

Contern 2.0

Kaum angekommen an der Halle läuft mir in der angrenzenden Gaststätte Peter Kronhagel über den Weg. Den Akim-Experten hatte ich in meinem Buch über Comic-Sammler – „Die Kunst des Comic-Sammelns“ – porträtiert. Er wohnt nur ein paar Kilometer von Gönnheim entfernt. Klar, dass Peter hier vorbeischaut. Genauso wie seine Frau Gaby, die im Kirchengemeindehaus beim Kuchenverkauf hilft.

Gaby und Peter Kronhagel – hier allerdings in Erlangen 2016 – ich habe vergessen, ein aktuelles Foto zu machen…
© Foto: Alex Jakubowski

Drinnen kommt mir dann direkt Eckart Schott entgegen. Sein Verlag hat seinen Sitz in unmittelbarer Nähe – logisch, dass auch er hier ist. Oder auch Steffen Boiselle – der „hundertprozentige Pfälzer“. Auf dem Weinfest im Dorfzentrum verkaufen sie die typischen Pfälzer Dubbegläser (Foto siehe unten), die er gestaltet hat, zu Ehren der Weinkönigin.

Regionale Größen sind dabei – logisch

Irgendwie ist es für mich ein kleines bisschen wie in Erlangen. Alle paar Meter treffe ich alte Bekannte. Comic-Verleger, Sammlerfreunde oder Kollegen. Und es ist auch Zeit und Gelegenheit für einen Plausch mit Zeichnern, über die ich zwar schon geschrieben habe, mit denen ich aber bisher kaum reden konnte – mit Marcus Repp etwa oder auch mit Michael Mikolajczak und Andreas Möller.

Endlich mal geplauscht, mit Andreas Möller (links) und Michael Mikolajczak
© Foto: Alex Jakubowski

Wer Comics sucht, wird hier fündig. Neben Neuware gibt es auch antiquarische Bücher. Und wer sich Zeichnungen in die Alben machen möchte, stellt sich einfach an. Die Signierschlangen sind überschaubar – so bleibt auch immer Zeit für einen Plausch mit einem der Zeichner.

Wer suchet, der findet

Für mich ist das Festival eine der Entdeckungen dieses Sommers! Natürlich ist es nicht vergleichbar mit seinen großen Schwestern – was die Menge des Angebots angeht. Dafür hat der Pfälzer Comic-Salon seinen eigenen, besonderen Charme. Und wenn Erlangen das Klassentreffen der gesamten Szene ist, dann ist Gönnheim der Stammtisch. Klein, aber fein.

Vielen Dank an Andreas Möller
Hier gehts zur Homepage: Pfälzer Comic-Salon
Vielen Dank an Marcus Repp
Das von Steffen Boiselle gestaltete Glas
© Foto: Alex Jakubowski

5 Kommentare

  1. Lieber Alex…
    …danke für deinen treffenden Bericht: Gönnheim – klein aber fein. Okay, das gilt vorläufig (noch) für die Abteilung Comics – diesmal war es der 4. Salon in der Festhalle und rund herum in Gönnheim.
    Der Ort hat nur 1.600 Einwohner. Doch an die 10.000 !!! Besucher kommen jedes Jahr in das Weindorf, um 40 Straßenkünstler – diese malen mit Kreide auf der Straße und auf Hauswände, zu bewundern. Viele der Zeichnungen sind kleine Kunstwerke.
    Vielleicht gelingt es durch die gute Presse und gezielte Werbung einen Großteil der jährlichen Besucher in Richtung „neunte Kunst“ zu lenken. Das wäre fein. Und wenn in Gönnheim die Kunst bereits auf der Straße liegt, kann doch der Weg zum Mediim Comic in der Halle nicht zu weit sein.
    Herzlichst
    Peter (Kronhagel) 6. Juni 2026

  2. Lieber Alex,
    ja, Gönnheim ist mein Heimspiel. Ein schönes Event mit viel Athmosphäre, vielen Künstlern – auch die Straßen- und Hauswandbemaler unten im Dorf sind spitze. Letztes Jahr konnte ich einer mexikanischen Künstlerin zusehen, die auf einem Gerüst in ca. 8 Metern Höhe hr Wandbild vollendete. Respekt.
    Wer noch nie auf dem Comic-Salon in Gönnheim war, sollte das nächstes Jahr nachholen.
    Alles Gute.
    Eckart

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