Die Galaxis zwischen zwei Buchdeckeln

Es gibt Bücher, die man liest. Und es gibt Bücher, die man zunächst einmal auf den Tisch legt und sich von ihrer bloßen Existenz beeindrucken lässt. Die neue Star Wars Comics Library aus dem TASCHEN Verlag gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Fast siebenhundert Seiten, ein Format von geradezu intergalaktischem Übermut – schweres Papier, satte Farben – dieses Buch ist weniger Lektüreobjekt als ein Liebhaber-Produkt, ein Stück Popkultur fürs Bücherregal.

Raumschiffe, was für schöne Raumschiffe…
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / © 2026 TASCHEN GmbH

Produziert mit der für den Verlag typischen Mischung aus Archivleidenschaft und Luxusobjekt. Die Comics Library versteht diesen Comic (wie alle anderen in der Reihe auch) nicht als Wegwerfware, sondern als Kulturgut: Die Seiten werden großzügig präsentiert, die Materialität des Originals wird geradezu zelebriert. Wo ein gewöhnlicher Sammelband zum schnellen Verschlingen einlädt, fordert diese Ausgabe dazu auf, innezuhalten. Man blättert nicht nur – man betrachtet. Und schweift ab – in ferne Galaxien.

Ein Buch, das mehr ist als ein Buch

Als die Comics entstanden, war noch nicht klar, welcher Kult einmal um Luke Skywalker und um Yoda, um Obi Wan und C3PO entstehen sollte. Schon gar nicht war abzusehen, dass aus den ersten drei Filmen einmal ein Universum an Klassikern entstehen sollte, die jeder Cineast, der etwas auf sich hält, gesehen haben sollte. Und so geht TASCHEN zurück an den Anfang: zu den Comics aus den Jahren 1977 bis 1979, in jene eigentümliche Zwischenzeit, in der Star Wars noch nicht Geschichte war, sondern gerade erst dabei war, eine zu werden.


Das Buchcover
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / © 2026 TASCHEN GmbH

Das führt dazu, dass die Comics aus heutiger Perspektive manchmal wirken, als seien sie aus einer Parallelgalaxis. Sie sind unbekümmert und experimentell – aber manchmal auch unfertig. Die Seiten von Howard Chaykin und den anderen beteiligten Künstlern atmen weniger die klinische Präzision späterer Franchise-Comics als den Geist einer Epoche, in der Science-Fiction noch aus großen Posen, spektakulären Perspektiven und handgemachter Fantasie bestand. Schön, dass man das auch erkennt – an Korrekturen, Tipp-Ex-Stellen und blauen Vorzeichnungen.

Ein Universum, das zum Universum wird

Ihre erzählerische Perfektion ist deutlich geringer als ihre kultur- und comichistorische Bedeutung. Aber das macht nichts – im Gegenteil. Das ist genau der Charme, den viele Leser der ersten Stunde auch heute noch lieben. Wer lediglich möglichst günstig alte Star Wars-Comics lesen möchte, braucht dieses Buch nicht. Dafür gibt es andere Editionen und Nachdrucke. Und dafür ist der Preis von 175 Euro auch zu stolz.


Der Blick ins Innere
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Wer aber nachvollziehen möchte, wie sich Star Wars als Comic anfühlte, bevor aus dem Universum ein Universum wurde, bekommt hier etwas wesentlich Interessanteres: einen Blick in den Moment, in dem Mythos und Markt, Kino und Comic, kindliche Begeisterung und industrielle Popkultur erstmals miteinander experimentierten. Und er bekommt ein Buch, das man immer wieder in die Hand nehmen möchte – nicht nur, um die Comics noch einmal zu lesen – sondern um sich in die Zeit zurückzuversetzen, als man die Hefte am Kiosk zum ersten Mal zwischen die Finger bekam.

Angaben zum Buch: Star Wars Comics Library. Vol. 1. | 1977-1979 | TASCHEN Verlag | Herausgeber: Paul Duncan | Hardcover | 28 x 39.5 cm | 5.58 kg | 680 Seiten | € 175

Hie gehts zum Verlag: TASCHEN

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Eine der vielen Originalabbildungen
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