Comic-Salon 2026 – Gurkenwasser mit Wodka

Alles zwei Jahre geht es für die deutsche Comic-Szene nach Erlangen, zum Internationalen Comic-Salon. Die großen wie die kleinen Verlage treffen sich dort und natürlich viele Independent-Künstler:innen. Sie bringen viele Neuerscheinungen mit und selbstverständlich auch einige Zeichnerinnen und Zeichner. Die Fans kommen logischerweise auch – auf der Suche nach dem neuesten Schmuckstück für ihre Sammlung, einer Zeichnung oder auch nach einem der vielen netten Gespräche oder einer Begegnung. Meine Zusammenfassung: Comic-Salon 2026 – Gurkenwasser mit Wodka.

Flix, Reinhard Kleist und die Daltons…
© Foto: Alex Jakubowski

„Man ist so voll und gleichzeitig so leer“ – meint Matze am Erlangen-Samstag zu mir. So voller Eindrücke, Ideen und Begeisterung. Und dann auch so müde und ko – denn Erlangen heißt auch: lange Nächte, Party und Abende in einer der vielen Kneipen rund um das Markgrafentheater – in der Kulisse, dem Goldenen Hecht oder wo auch immer.

So voll – und auch so leer

Die Szene trifft sich. Und für viele ist es wie eine Art Klassentreffen, das meist schon direkt nach dem Eintreffen in der Stadt beginnt. Als ich am Donnerstag kurz vor der offiziellen Eröffnung am Schlossplatz ankomme, winkt mir Annika vom Orga-Team schon aus dem Fenster zu. Erstmal die Akkreditierung abholen und hoch ins Pressezentrum im zweiten Stock.

Lange Schlange an Zelt A
© Foto: Alex Jakubowski

Oben angekommen treffe ich sie natürlich, aber auch schon erwähnten Matze – meinen NDR-Kollegen, der dort bereits am Rechner sitzt und arbeitet. Später werden wir die ersten beiden Folgen unseres neuen Comic-Podcasts Strich drunta! aufzeichnen. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

So langsam füllt es sich auf dem Salon, die Zelte haben zwar eben erst aufgemacht, aber die Schlange am Kassenhäuschen und am Einlass sind schon echt lang. Am Ende werden so viele Besucher:innen zum Salon kommen, wie noch nie.

Neuer Podcast: „Strich drunta“

Für mich heißt Comic-Salon seit einigen Jahren auch: Moderation von Panels und Gesprächsrunden. Dieses Jahr geht es bei mir um KI, um häusliche Gewalt in Comics, um Lucky Luke, einen Film über den Darmstädter Comic-Händler Naaman Wakim, um ein Projekt zu Identität und Heimat von Titus Ackermann (Moga Mobo) und zum vierten Mal in Folge darf ich die Abschlussrunde moderieren, mit Vertretern der Verlage.

Ein Teil der Alfonz-Crew
© Foto: Alex Jakubowski

Natürlich treffe ich meine Freunde und Kollegen vom Comic-Fachmagazin Alfonz, ich sehe all die Ansprechpartner in den Pressestellen der Verlage, mit denen ich das Jahr über immer Kontakt habe und spreche mit vielen Freunden, die ich im Laufe der Jahre lieb gewonnen habe – egal ob unter Sammlern, Verlagsmitarbeitern oder Kollegen. Erlangen ist halt immer ein Ort der Begegnung.

Freunde treffen

Natürlich geht es auch um die Neunte Kunst. Aber für mich ist Erlangen längst mehr. Manche Freunde treffe ich nur alle zwei Jahre, hier eben genau auf dem Salon. Ob auf der Straße mitten in der Stadt oder in einem der Zelte. Ob morgens um 9 auf nen Kaffee, oder abends in der Kneipe. Die Stadt ist voller positiver Vibes. Überall Menschen mit einem Strahlen im Gesicht, auch wenn die Nacht kurz war – und man gerade erst noch Gurkenwasser mit Wodka getrunken hat… (Ja, auch das gab es… ;-))

Mit Josh vom Dantes-Verlag © Foto: Alex Jakubowski

Toll, dass der Salon auch beim Publikum dieses Jahr gut ankam. Das Wetter war besser als  vorhergesagt und so sind mehr als 35.000 Besucher gekommen. Hoffentlich hilft das der klammen Stadt, um auch in zwei Jahren die Zelten rund ums Schloss aufzubauen. Denn Erlangen ist längst zur Institution geworden unter den deutschen aber auch vielen europäischen Comic-Fans.

Besucherrekord

Es braucht seine Zeit, um all die Eindrücke zu verarbeiten. Was lange bleibt, ist die Gewissheit, dass hier eine Menge Menschen mit einer unendlichen Leidenschaft ans Werk gehen. Zeichner:innen, die jahrelang an ihren Comics arbeiten. Fans, die alles mögliche wissen und wissen wollen. Kolleg:innen, die unermüdlich die Neunte Kunst unterstützen, wo immer es ihnen möglich ist.

Das Panel zum Thema „Häusliche Gewalt im Comic“,
mit Noah Eggert, Stephanie Brittnacher und Pandora Magri (v.l.)
© Foto: privat

Wer nicht nachvollziehen kann, was den Comic-Salon ausmacht, hat mit Sprechblasen vermutlich wenig am Hut. Aber für alle, die die gezeichneten Geschichten lieben, ist Erlangen alle zwei Jahre ein Muss. Meine Abschlussmoderation hatte ich mit einem Zitat von Matt Groening begonnen, dem Erfinder der Simpsons: „Springfield ist ein mentaler Zustand“. Ich bin mir nicht sicher, ob er nicht auch Erlangen gemeint haben könnte…

So viele schöne Eindrücke. Ich freue mich schon auf den kommenden Salon. Der findet vom 15. bis 18. Juni 2028 statt.

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