Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen in der Nähe von Saarbrücken zeigt eine Ausstellung zu unserem Freund Bernd Kissel. Wie Ihr ja wisst, hat der Saarländer nicht nur unser Comic-Denkblasen-Titelbild gestaltet, sondern er ist als Zeichner schon seit einigen Jahrzehnten erfolgreich unterwegs. Zuletzt etwa mit Elon und Jeff on Mars und natürlich auch mit den Känguru-Comics. Jetzt kommt Bernd also ins Museum und noch dazu in seiner Heimat: dem Saarland. Klar, dass bei ihm zuhause große Freude herrscht über die Ausstellung: BilderWelten – WeltenBilder: Bernd Kissel

© Foto: 2026 Deutsches Zeitungsmuseum
(Alex Jakubowski) Lieber Bernd, eine Ausstellung über Dich und Deine Werke… Das heißt für Dich doch bestimmt: Ein Traum wird wahr!
(Bernd Kissel) Zumindest einer, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn hatte. Dennoch habe ich mir beim beharrlichen analogen Arbeiten immer gesagt, dass es sicher von Vorteil sein könnte, auf Papier gezeichnete Originale zu haben, um diese eventuell mal zeigen zu können.
Es gab ja auch schon Ausstellungen mit meinen Werken. Bei einer Schau regionaler Comics wurden vor ein paar Jahren Folgen meines SaarlandAlbums gezeigt, und im Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach an der Saale gab es eine großartig kuratierte Präsentation der Känguru-Comics. Aber eine Ausstellung, die quasi Ausschnitte meines ganzen bisherigen Schaffens zeigt, hätte ich mir mit 48 nicht erträumen lassen.

Wie kommt es dazu und was wird genau gezeigt?
Das Deutsche Zeitungsmuseum wendete sich an mich, um mir die Idee einer Ausstellung vorzuschlagen. Ich sagte begeistert zu und nun hängt sie. Was recht unspektakulär klingt, war auch so unspektakulär.
Wir haben zunächst meine Archive durchforstet und eine Auswahl getroffen, die Zeichnungen zwischen 1985 und 2025 zeigt, also die ganze Bandbreite meiner bisherigen Entwicklung als Zeichner. Es war mir wichtig, dass eine Evolution gezeigt wird, da ich das auch bei anderen Künster*Innen immer äußerst spannend finde, wenn man sieht, wie sich Strich und Stil über die Jahre verändern.

© Foto: 2026 Deutsches Zeitungsmuseum
Dass Du im Zeitungsmuseum gezeigt wirst, liegt vermutlich an der Nähe zu Dir? Rein örtlich gesehen?
Das spielte tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle. Hauptgrund war, dass meine Arbeiten, vor allem die Reihen SaarLegenden, SaarlandAlbum und Die Känguru-Comics, ja in Zeitungen gezeigt wurden (ob im Print oder online) und zudem auch noch in vielen Fällen historische Themen abdeckten. Das passt natürlich wunderbar zu einem Museum, das solche Themen in seinen Dauer- und Wechselausstellungen gerne präsentiert.
Für manche sind die Sachen, die Du vor den Känguru-Comics gemacht hast, möglicherweise neu. Wie aber ist es eigentlich für Dich, auf Deine alten Arbeiten zu gucken?
Es ist tatsächlich so, dass es offenbar Besucher*Innen gibt, für die die Arbeiten, die ich mit Marc-Uwe Kling gemacht habe, neu sind, während sie aber meine regionalen Reihen durchaus kennen. Und umgekehrt. Das finde ich faszinierend. Alte Sachen zu sehen, ruft bei mir im Grunde zwei verschiedene Reaktionen hervor: Entweder schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen, oder ich denke mir „Schau an, besser könnte ich es heute auch nicht.“ Ein gutes Beispiel für letztere Reaktion ist Münchhausen – Die Wahrheit übers Lügen.

© Foto: 2026 Deutsches Zeitungsmuseum
Lass uns noch kurz über die Ausstellung hinaus gucken: Woran arbeitest Du im Moment Comic-mäßig? Können wir was Neues von Dir erwarten?
Zur Zeit ist das Känguru wieder sehr präsent. Ich arbeite aktuell an den über 60 Illustrationen, die die Jugendbuch-Ausgabe der Känguru-Rebellion flankieren, die noch in diesem Jahr bei Ullstein erscheinen wird. Außerdem arbeite ich an einem sehr spannenden deutsch-französischen Projekt, bei dem ein französischer Zeichner, Jean Chauvelot, und ich uns gemeinsam an eine Graphic Novel gewagt haben. Es geht dabei um das deutsch-französische Verhältnis, das wir vom Ausbruch des Krieges 1871 bis hin zum Ende des Ersten Weltkrieges beleuchten. Vor allem geht es um die großen Einschnitte, die die politischen Geschehnisse mit der Region „Elsaß-Lothringen“ und dem heutigen Saarland hinterlassen hat. Während Jean die Perspektive der einfachen Leute beschreibt, zeigt mein Teil der Geschichte die Ebene der politisch Entscheidenden. Eine aufschlußreiche Arbeit, bei deren Recherche mir klar wurde, wie sehr sich Geschichte wiederholt und wie froh und glücklich man über ein geeintes Europa sein sollte.

© Foto 2026 Rolf Ruppental